Du willst ein Video produzieren und fragst dich, muss ich etwa auch ein Drehbuch schreiben? Ja. Ein Drehbuch ist essenziell für deine Produktion. Es hilft deiner Crew, auf derselben Wellenlänge zu sein, ordnet deine Informationen und macht deine Botschaft überzeugender.  Es kann jedoch eine einschüchterne Aufgabe für unerfahrene Autoren und selbst Experten sein, die sich mit Videos nicht auskennen.

Keine Sorge! Wir zeigen dir den schnellen und einfachen Weg, wie du ein fesselndes Drehbuch schreibst, selbst wenn das inspirierendste, was du jemals geschrieben hast, eine To-Do-Liste ist.

Mach dich bereit für einen Crashkurs darüber, was ein Drehbuch ist, weshalb du eines schreiben solltest, was es enthalten sollte und wie du es formatierst. Los geht’s!

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Bezwinge die leere Seite mit einer fesselnden Einleitung. Illustration von Vladanland.

Was ist ein Drehbuch?

Ein Drehbuch ist ein schriftliches Dokument, welches Anweisungen für die Darsteller und das Filmen enthält – einschließlich Soundeffekten, Grafiken und Informationen zu Bild und Ton.

Wenn deine Videoproduktion ein Zug ist, ist das Drehbuch das Gleis, das deinen Zug zu seinem Ziel führt.

Weshalb solltest du ein Drehbuch schreiben?

Kannst du nicht einfach improvisieren? Das kannst du, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dein Video bestenfalls nicht sein volles Potenzial ausschöpfen wird. Drehbücher stellen sicher, dass du alles, was du zeigen willst, auf knappe und effiziente Weise zeigst. Ohne Drehbuch wird deine Botschaft ungeordnet, nicht so gut durchdacht und nicht überzeugend sein. Außerdem wirst du mehr Arbeit bei der Postproduktion haben, wenn du all die peinlichen Pausen bearbeiten und die Clips umstrukturieren musst, damit dein Argument nicht verloren geht. Die Zuschauer von heute haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und du kannst es dir nicht leisten, ihre Zeit mit schlecht geplantem Content zu vergeuden.

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Von Yo!Design

Indem du deine Botschaft effizienter vermittelst, sorgst du auch für ein höheres Engagement der Zuschauer – was bedeutet, dass sie länger schauen und Kommentare oder Likes hinterlassen. All das führt zu einem besseren Ranking auf YouTube, was wiederum zu mehr Aufrufen durch Vorschläge und Suche führt und der Kreis geht weiter und weiter.

Anders als du vielleicht glaubst, musst du dir keinen Stress machen, alles auswendig zu lernen, wenn du ein Drehbuch schreibst – dank des Teleprompters. Das ist ein Gerät, das dein Drehbuch projiziert, damit du es sehen kannst, dein Publikum aber nicht. Selbst professionelle Schauspieler nutzen Teleprompter, also mache dir nicht die Mühe, dich an deine nächste Zeile zu erinnern. Man wird das im Video merken. Und das sieht nicht gut aus!

Wie du ein Drehbuch für ein Video schreibst

Briefing

Ein Briefing ist ein einfaches Dokument, das folgende Fragen beantwortet: Was ist das Thema? Was ist das Ziel des Videos? Wer ist das Publikum? Welche Erkenntnis sollen die Zuschauer erhalten? Die Antworten auf diese Fragen werden dich wieder auf die Spur führen, wenn du vom Weg abkommst.

Konzept

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Ein Konzept kann eine gute Sache sein. Von ParaMonster.

Das Konzept ist die zugrunde liegende Struktur deines Drehbuchs.

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Formaten für Konzepte, aber eine traditionelle Stichpunkt-Struktur funktioniert hervorragend. Was zählt, ist, dass man alles schnell überfliegen kann und weiß, ob die Botschaft logisch aufgebaut ist oder ob du etwas Wichtiges vergessen hast. In der Regel solltest du nicht mehr als drei bis fünf wesentliche Punkte haben, da du sonst riskierst, den Zuschauer mit zu vielen Informationen zu überfluten.

Denke daran, dass es viel einfacher ist, ein Konzept zu bearbeiten als ein komplettes Script, also achte schon früh auf Fehler. Hole dir Feedback von Leuten, deren Meinung du vertraust. Nimm dir die Zeit, die Arbeit liegen zu lassen und später mit frischem Blick zum Konzept zurückzukehren.

Dialog

Sobald du das Konzept fertig hast, bist du bereit, aus deinen Stichpunkten ganze Sätze für einen einfachen Dialog zu machen. Was dieser enthalten soll, besprechen wir in den nächsten Abschnitten, aber es ist wichtig, schon früh deine Tonalität festzulegen. Finde einen Kompromiss zwischen der Art, wie du sprichst und wie deine Zuschauer sprechen. Du bist dir nicht sicher, wie deine Zuschauer sprechen? Finde heraus, was sie kaufen, gehe zu Amazon auf diese Produkte und schaue dir an, wie sie in den Kundenbewertungen schreiben.

Der Köder

Der Zweck des Köders besteht darin, sofort die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erregen und diese beizubehalten. Stelle es dir wie beim Angeln vor. Er soll die Zuschauer anlocken und nicht mehr von der Angel lassen, sobald sie angebissen haben. Genauso solltest du langfristig die Aufmerksamkeit der Zuschauer haben, wenn du einen guten Köder hast – zumindest bis sie das bekommen, wonach sie suchen. Vergiss nur nicht, am Ende auch zu liefern.

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Von miremi_design

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Ködern: der direkte Köder und der in media res-Köder.

Der direkte Köder ist ziemlich einfach. Du sagst deinen Zuschauer einfach, dass sie das bekommen werden, wofür sie gekommen sind. Im Gegensatz zu jemandem, der einfach durch diverse Fernsehsender zappt in der Hoffnung, etwas interessantes zu finden, suchen Zuschauer im Internet gezielt nach etwas Bestimmten. Der direkte Köder lässt sie wissen, dass sie es gefunden haben und nun aufhören können zu suchen.

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Ein gutes Drehbuch erregt die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Von Straw Effigy.

In media res ist Latein und bedeutet „mitten in die Dinge“. Für diese Art Köder beginnst du also mit dem aufregendsten Moment und erklärst dann, wie du dorthin gelangt bist. Wenn du ein Explainer-Video darüber drehst, wie man ein unterirdisches Haus und einen Pool baut, beginne mit dem glorreichen Ergebnis, damit die Zuschauer sagen „Oh mein Gott, das will ich!“ Und ZACK! Schon sind sie am Haken. Gehe nun zurück zum Anfang und sie werden sich wahrscheinlich den ganzen Ablauf anschauen, weil sie nun im Kopf haben, wie phänomenal es aussehen wird!

Egal für welchen Hook du dich entscheidest, tue es vor deiner Standard-Eröffnungssequenz, falls du eine hast. Auf diese Weise können die Zuschauer sofort mit den von dir angebotenen Inhalten eine Verbindung aufbauen.

Die Einleitung

Die Einleitung enthält sowohl den Köder als auch einige detaillierte Informationen, damit der Zuschauer den Inhalt besser versteht, den er gleich sehen wird.  Am wichtigsten ist, dass er eine Erkenntnis in Aussicht stellt. Dies ist ähnlich wie beim in media res-Köder, aber anschaulicher und mehr darauf fokussiert, Klarheit zu erzeugen statt Aufmerksamkeit zu erregen.

Damit und mit dem Köder sind deine Zuschauer nun emotional gefesselt und es ist an der Zeit, diese Emotionen durch ein paar Fakten zu stützen. Das bedeutet, deine Glaubwürdigkeit zu beweisen und zu begründen, weshalb sie dir zuhören sollten. Sage ihnen, wer du bist, was du machst und welche Referenzen du hast.

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Von BroomvectoR

Es gibt zwei Arten, um Glaubwürdigkeit aufzubauen: Erstens indem du ihnen verlässlich und glaubhaft schilderst, welche Erfahrung du hast, zum Beispiel indem du sie wissen lässt, dass du ein Arzt bist, der bereits seit 40 Jahren praktiziert, und zweitens indem du Empfehlungen echter Menschen verwendest. Und wenn du Menschen zitierst, erwähne ihren Beruf und wo sie leben, damit sie noch mehr wie echte Menschen wirken.

Egal auf welche Weise du deine Glaubwürdigkeit etablieren willst, du solltest dich kurz fassen. Niemand will einen langweiligen Monolog darüber hören, wie du der Beste deiner Abschlussklasse in Harvard geworden bist. Tu so, als wärst du in einem Fahrstuhl und müsstest deine Glaubwürdigkeit etablieren, bevor sich die Türen wieder öffnen.

Halte das Momentum aufrecht, indem du die Zuschauer mit deinem ersten Aufruf direkt ansprichst. Wenn du auf YouTube bist, solltest du nicht davon ausgehen, dass sich deine Zuschauer mit YouTube auskennen. Sage ihnen, was sie tun sollen: Bitte sie, deinen Kanal zu abonnieren oder den Link zu deinen anderen Videos zu klicken etc. Du wirst deine Zuschauer noch zwei weitere Male während deines Video ansprechen, daher ist das erste Mal nur der Grundstein.

Der Körper

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Von DreamMaster

Nachdem die Einleitung nun erledigt ist, ist es endlich an der Zeit, den Zuschauern das zu geben, wofür sie gekommen sind. Je früher sie es bekommen, umso involvierter werden sie sein. Und wenn es darum geht, Zuschauer zu involvieren, ist Einfachheit der Schlüssel zum Erfolg.

Wenn du unserem Ratschlag zum Konzept gefolgt bist, solltest du drei bis fünf Hauptpunkte haben, die du in diesem Abschnitt behandelst. Während dies eine klare Ordnung bietet und die Zuschauer davon abhält, sich zu verirren, solltest du die Information so gestalten, dass sie unwiderstehlich ist. Erzähle eine Geschichte. An dieser Stelle solltest du alle Register ziehen, um den Zuschauer zu unterhalten.

Zusätzlich dazu solltest du ein paar sachliche Beispiele oder Daten parat haben, um alles zu unterstützen. Die Zuschauer vergessen vielleicht die feineren Details deines Videos, aber sie werden sich wahrscheinlich an eine packende Anekdote oder verrückte Statistik erinnern.

Mittleres Engagement

Die Mitte deines Videos ist wie Mittwoch – du musst deine Zuschauer über diesen Berg bringen. Das bedeutet, es ist das zweite Mal an der Zeit, sie direkt anzusprechen. Aber sorge dafür, dass es nicht dasselbe wie dein erster Aufruf ist. Stelle ihnen eine Frage und lasse sie diese in den Kommentaren beantworten. Die Frage kann so einfach sein wie „Was denkst du über den Rat, den ich gerade gegeben habe? Stimmst du zu oder bist du anderer Meinung?“ Für diejenigen, die Kommentare nicht mögen, kannst du einfach nach Feedback zu deinem Content fragen. Wie heißt es noch: Jeder ist ein Kritiker.

Der Call-to-Action (CTA)

Wenn du damit fertig bist, deinen Content zu präsentieren, willst du aus den Zuschauern Kunden machen.

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Von minimalexa.

Lasse deinen CTA so genau wie möglich sein. Anders als beim mittleren Aufruf kann das dieselbe Sache sein, die sie bereits im ersten Aufruf machen sollten. Eine Aufgabe ist am besten, aber wenn du mehrere CTAs hast, achte darauf, dass sie simpel sind: „Besuche meine Website www…“, „Klicke den Abonnier-Button unten“ und „Hinterlasse einen Kommentar“.

Du könntest sie auch dazu einladen, deiner Facebook-Gruppe, deinem E-Mail-Verteiler und anderen sozialen Plattformen beizutreten, um auch diese aufzubauen. Deine Zuschauer wollen auf dem Laufenden bleiben und eine Verbindung zu dir aufbauen, aber du musst ihnen mit einer Einladung die Hand reichen.

Die andere Taktik an dieser Stelle operiert verdeckt. Dies wird das dritte Mal sein, dass du deine Zuschauer involvierst. Und du kennst das Sprichwort: Alle guten Dinge sind drei!

Verabschiedung

In der Einleitung hast du dich vorgestellt, daher zeugt es von guten Manieren, dich ordentlich zu verabschieden. Sag auf Wiedersehen und danke den Zuschauern dafür, dass sie dir ihre wertvolle Zeit und Energie geschenkt haben. Wenn es zu deinem Stil passt und aufrichtig ist, solltest du eine eingängige Verabschiedung haben. Sie trägt dazu bei, dass du in einem Meer von Produkten und Dienstleistungen im Gedächtnis bleibst. Sie kann auch kostenlose Werbung sein. Wenn du einen Werbespruch hast, den deine Zuschauer in ihren Alltag einbauen, kann er zum Ohrwurm werden!

Wie du ein Drehbuch formatierst

Da du nun deinen gesprochenen Content hast, fehlen nur noch ein paar wenige Elemente aus deinem Drehbuch: Kamerawinkel, Soundeffekte und Grafiken (oder deine Eröffnungssequenz) und weiteres Material (B-Roll), die du eventuell noch hast. Du fügst diese Elemente ein wenig anders ein, abhängig davon, für welches Format du dich entscheidest.

Photo of a sample film script
via Pixabay

Es gibt viele Wege, dein Drehbuch zu formatieren. Wenn du so viele bewegliche Teile in deinem Video wie in einem kompletten Film oder einer Fernsehserie hast, solltest du ein traditionelles Filmdrehbuch erstellen. Lade dir Final Draft oder eine ähnliche Software herunter (einige dieser Programme haben günstigere Mobilversionen), denn Film- und Fernsehdrehbücher haben einen ganz bestimmten Formatstil (bis hin zur standardmäßigen Schrift „Courier“). Wenn du aber ein YouTuber oder Unternehmensinhaber bist, der einfachen Content für sein Unternehmen kreieren will, musst du nicht so technisch werden. Drehbuchformate für kurze Videos sind weniger formal.

Black Corona typewriter
Black Corona Schreibmaschine, Foto von Peter Pryharski via Unsplash

Es gibt drei typische Formate, um ein Drehbuch zu schreiben: Audio/Visuell (AV), Visuell/Audio/Grafiken (VAG) und sequenzieller Fluss. Wenn du ein Interview oder ein einfaches Explainer-Video machst, sollte AV ausreichen. Es hat zwei Spalten: Eine für das, was wir sehen werden (Video), und eine für das, was wir hören werden (Audio). Lade hier eine Vorlage für diese Technik herunter.

Für komplexere oder grafiklastigere Explainer-Videos ist VAG deine beste Wahl. Dies sind drei Spalten: Du ahnst es sicher schon, Video, Audio und Grafiken.

Wenn diese Formate dich nicht ansprechen, kannst du den sequenziellen Fluss nutzen: Eine Liste, die von oben nach unten geht und alles beschreibt, was passieren wird. Bei dieser Technik unterteilst du die Seite nicht in Spalten. Du beginnst einfach oben auf der Seite und listest auf, was in deinem Video bis zum Schluss passieren wird. Hier findest du eine Vorlage für diese Technik.

Zeit, dein Drehbuch zu schreiben

So plant man also im Wesentlichen ein Drehbuch! Nun weißt du, was ein Drehbuch ist, weshalb du eines schreiben solltest, wie man es schreibt und wie man es formatiert. Du hast keine Ausreden mehr, also leg los!

Vergiss nicht, dein Produkt oder Service ist deinen Zuschauern wichtig. Sie suchen nach dir. Gib ihnen, was sie wollen!

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