Das eigene Unternehmen gründen? Ohne fettes Budget und so ganz nebenher? Felix Plötz weiß, welche Instrumente man braucht, um in null Komma nichts ein Start-up auf die Beine zu stellen und damit seine Lebensqualität spürbar zu erhöhen.

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Foto: Sarah Rubensdörffer

Felix Plötz, Jahrgang 1983, ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und arbeitete in einem Großkonzern, als er nebenher sein erstes Business gründete. Außerdem schreibt und verlegt er Bücher, u.a. „Palmen in Castrop-Rauxel“ (2014), das Bestseller #1-Status zum Thema „Selbstständigkeit“ auf Amazon erreichte. Sein Verlags-Startup gewann 2015 gegen 130 internationale Konkurrenten die „Wildcard“ der Frankfurter Buchmesse. Plötz lebt als Autor, Berater und Business Speaker in Bad Honnef.

Wir haben uns mit Felix getroffen und mit ihm über sein vor wenigen Tagen erschienenes Buch gesprochen.

Was fasziniert dich an dem Thema Gründen und woher kommt deine Leidenschaft dafür?

„Eigentlich würde ich gerne mal … etwas ganz anderes machen“ – dieser Gedanke hat mich lange begleitet. Ich war schon ein paar Jahre im Job, als ich irgendwann realisiert habe, dass mein Leben furchtbar eintönig geworden war. Eat, work, sleep, repeat – das konnte doch nicht alles sein! Für mich war irgendwann klar: Ich wollte nicht mein gesamtes Berufsleben in einem Großraumbüro fristen. Ich wollte mein eigenes Ding machen. Und das hab ich dann auch. Allerdings neben dem Job. Ich war zu vorsichtig oder meinetwegen auch zu ängstlich, gleich alles aufzugeben, nur um meine Geschäftsidee verfolgen zu können.

Du bist also selbst Gründer eines Start-ups. Was genau machst du?

Ich habe mein erstes Unternehmen 2011 gegründet und erst 1 1/2 Jahre später den Sprung in das „angewärmte“ Wasser gewagt, also meinen alten Job gekündigt nachdem ich gesehen hatte, dass meine Idee funktioniert. Meine Geschäftsidee bestand in einem Spritspartraining für Firmenkunden mit eigener Fahrzeugflotte. Ja, ich weiß, das ist keine Idee, mit der man auf Partys beeindrucken kann. Aber für mich war es das Richtige und der notwendige Schritt zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung. 2015 habe ich das Business dann an den ADAC verkauft, um mich um meine nächste Gründung intensiver zu kümmern. Auch das Startup ist nebenbei, also als „4-Stunden-Startup“, entstanden: ein Verlag für YouTube-Stars. Das war eigentlich auch nur so eine verrückte „Man-müsste-doch-mal“-Idee. Aber innerhalb nur eines Jahres ist das Ganze irgendwie so durch die Decke gegangen, dass sich mehrere große Verlage für unser kleines „4-Stunden-Startup“ interessiert haben. Und tatsächlich: Vor ein paar Tagen konnten wir bekannt geben, dass „Plötz & Betzholz“ von der Ullstein Verlagsgruppe übernommen wurde. Das hätten wir uns wirklich nicht träumen lassen.

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Buchcover Das 4-Stunden Startup

Du bist zudem Autor. Was hat dich dazu bewegt, ein Ratgeberbuch zu schreiben?

Der Stein des Anstoßes kam irgendwann im Jahr 2012. Ich selbst war gerade dabei, mein Unternehmen aufzubauen, als ich das erste Mal über die sogenannte „Generation Y“ las, zu der ich – per Definition – ebenfalls gehöre. Plötzlich konnte ich nachlesen, dass man uns bei allem ans Händchen nehmen müsste, da wir alleine nichts gebacken bekämen. Nachdem die erste Empörung über diese Unverschämtheit langsam verschwunden war, wurde mir klar: Wir kriegen ganz viel gebacken. Aber was uns fehlt, sind authentische Vorbilder, die zeigen, wie es geht. Es sind doch häufig ganz normale Typen, die die coolsten Ideen haben. Ich war auch satt von diesen Gründerstories, in denen Ex-McKinsey-Berater irgendein Ding züchten, um es ein paar Monate später für ein paar Millionen zu verticken.

Das war die Idee für unser erstes Buch „Palmen in Castrop-Rauxel“ – zu zeigen, wie man als normaler Mensch sein eigenes Ding aufziehen kann und welche Hürden, Zweifel und Ängste einem dabei begegnen. Wir haben das Buch selbst mit einer großen Portion Startup-Spirit aufgezogen und es durch Crowdfunding finanziert und im Selfpublishing veröffentlicht. Die Resonanz darauf war riesig: das Buch wurde ein großer Überraschungserfolg. Und es wurde klar, den Weg von anderen zu zeigen, ist nur der Anfang. „Das 4-Stunden-Startup“ setzt genau da an, wo das erste Buch aufgehört hat: Es zeigt ganz konkret, wie man auf gute Geschäftsideen kommt, welche Tools es dazu braucht und was man machen muss, damit der Chef den Plan vom eigenen Business nicht verbieten kann.

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Buchcover Palmen in Castrop-Rauxel

Tim Ferriss appelliert in seinem Buch 4-Stunden-Woche zu Informationsdiät, Outsourcing und Delegieren. Alles ein bisschen ruhiger angehen, das klingt bei dir ganz anders. Start-up als Nebenjob – ist das nicht furchtbar stressig?

Nein, ist es nicht. In gewisser Weise knüpft „Das 4-Stunden-Startup“ sogar genau dort an, wo die „4-Stunden-Woche“ aufgehört hat. Daher rührt übrigens auch der Titel – Tim Ferriss und ich haben den gleichen Verlag in Deutschland. Während bei Tim Ferriss die Idee im Wesentlichen darin besteht, ein automatisierbares Geschäftsmodell zu finden, zeige ich, wie du ein Geschäftsmodell findest, das dich erfüllt. Etwas, das du gerne machst, das deine Talente fordert und das eben nicht nur finanziell motiviert ist. Ein „4-Stunden-Startup“ kann der Startpunkt zu etwas ganz Großem sein – und dann wirst du auch viel Zeit und Nachtschichten investieren. Aber genauso gut kann ein Nebenbusiness ein gutbezahltes Hobby sein. Und das ist überhaupt nicht stressig, sondern kann dein Leben extrem bereichern.

Ein 4-Stunden-Start-up für mehr Zufriedenheit und Lebenserfüllung – Erfasst dich aber nicht irgendwann auch der wirtschaftlich motivierte Leistungsdruck, mit der eigenen Unternehmung immer besser und erfolgreicher zu werden?

Wenn ich etwas gefunden habe, das mir Spaß macht und bei dem ich meine Talente sinnvoll einsetzen kann, dann halte ich das erstmal für eine tolle Situation. Wenn es dafür dann auch noch einen Markt gibt, also aus einem Hobby ein echtes „4-Stunden-Startup“ wird, noch besser. Aber natürlich kann auch die Gefahr aufkommen, dass man zu viel unter einen Hut bringen möchte. Vielleicht ist aber auch das genau der richtige Zeitpunkt, um das Großraumbüro bzw. den normalen Job zu verlassen und es einfach mal zu probieren.

Du sprichst in deinem Buch auch über Corporate Design. Für wie wichtig hältst du ein professionelles visuelles Erscheinungsbild für ein Unternehmen? 

Ich halte ein gutes Design für sehr wichtig, unabhängig davon, was du machst. Ganz egal, ob du ein Buch im Selfpublishing veröffentlichst, das nächste Facebook startest oder vielleicht auch nur eine kleine Affiliate-Seite aufbaust – wenn es nicht professionell und ansprechend aussieht, verlieren die meisten Leute die Lust, sich darauf einzulassen. Daher ist ein gutes (Corporate-)Design superwichtig.

Wie sind deine eigenen Erfahrungen mit 99designs? Hast du selbst schon einen Design-Wettbewerb gestartet und wenn ja, welchen? Spaß gehabt?

Die Kriterien für die Tools, die ich im Buch empfehle, sind hart. Und ihr wärt nicht dabei, wenn ich nicht überzeugt wäre. Und klar: ich habe schon viele Erfahrungen mit 99designs gesammelt. Das Cover von „Palmen in Castrop-Rauxel“ war das erste, was ich bei 99designs hab machen lassen. Das war Ende 2013. Ebenfalls von euch sind das Logo und die Buchcover der Bücher, die wir als „Plötz & Betzholz“ Verlag bisher gemacht haben. Spaß haben alle Projekte gemacht, weil es auch einfach cool ist, zu sehen wie die Idee Runde um Runde immer weiter reift, bis am Ende wirklich das finale Design steht.

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Buchcover von 99designs

Du scheinst noch viele weitere Träume und Visionen zu haben. Was steht als nächstes auf deiner Agenda?

Wenn sich mehr Menschen trauen, ihre Ideen in die Tat umzusetzen, und das tun, wofür sie wirklich brennen, – dann ist das schon ein großer Erfolg. Ich hoffe, dass die Möglichkeiten, die ein „4-Stunden-Startup“ bietet, endlich in den Köpfen ankommen und wir noch ganz viele „Man-müsste-doch-mal“-Ideen sehen, die sonst für immer in den Köpfen geblieben wären. Eat, work, sleep, repeat – das kann einfach nicht alles sein.

Felix, vielen Dank für das Interview und die Inspiration!