Dan Vencatachellum (oder -Dan, wie ihn viele von euch kennen) hat Vintage-Ästhetik und clevere Typografie zu seiner beruflichen Laufbahn gemacht. Er vermeidet die Tücken der klischeehaften Retrografiken und seine Designs sind genau richtig für Brauereien, Räuchereien und andere Kunden, die nach einem Branding suchen, das reich an Geschichte ist.

Geboren auf der kleinen Insel Mauritius hat Dan seine Karriere als Freischaffender Designer mit Hilfe von 99designs von Grund auf aufgebaut und führt heute sein eigenes Studio, UTC Designs. Wir haben mit ihm über seine kreativen Wurzeln geplaudert, wo er seine stilistische Inspiration findet und welches sein bisheriges Lieblingsprojekt war.

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Name: Dan Vencatachellum
99designs Alias: -Dan
Ort: Mauritius

Du kommst von einem sehr interessanten Ort. Kannst du uns ein bisschen was von deiner Heimat erzählen?

Allerdings! Mauritius ist eine kleine Insel im Indischen Ozean, welche zunächst eine französische und dann englische Kolonie war, bis es im März 1968 die Unabhängigkeit erlangte. Die historische Seeschlacht von Grand-Port im August 1810 stellte die größte Niederlage der britischen Navy gegen die Franzosen während der gesamten napoleonischen Kriege dar. Mauritius hat eine multiethnische Bevölkerung, da sowohl Franzosen als auch Briten Arbeiter und Sklaven aus Afrika, Madagaskar, Indien, Tamil Nadu und China brachten.

Unsere Muttersprache ist das Mauritius-Kreolisch, welches ein verwässertes Französisch mit einem kleinen englischen Einfluss ist. Aber es ist wirklich eine wunderschöne und einfache Sprache. Natürlich sprechen wir Englisch und Französisch zusammen mit noch ein paar anderen Sprachen.

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Die Insel hat einige der schönsten Strände und Hotels und ist ein sehr hochgeschätztes Ziel bei Touristen. Meine Heimatstadt ist Curepipe und liegt in der höchsten, kältesten und regnerischsten Gegend der Insel.

Die Stadt wurde Curepipe genannt, da die Franzosen in dieser kleinen Stadt immer eine Pause machten, um ihre Pfeifen zu reinigen, während sie auf dem Weg nach Mahebourg, einer damaligen Hafenstadt, waren. Curepipe ist auf Französisch auch als “La Ville-Lumière” bekannt, was “Stadt des Lichts” bedeutet, da es die erste Stadt war, in der es Elektrizität gab.

Wie bist du zum Grafikdesign gekommen? War es etwas, das du schon immer tun wolltest?

Viele Jahre lang wollte ich Bauingenieur werden. Aber während meiner Zeit an der High School lernte ich die Grundlagen des Grafikdesigns und erlernte Photoshop, was mir ein paar Jobs für Musikbands verschafft hat. Aber ich habe nie ernsthaft daran gedacht, damit einmal meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Nachdem ich die High School abgeschlossen hatte, gab es diesen subtilen Druck von Leuten, Eltern und Freunden, meinen Kurs beizubehalten und einen Hochschulabschluss zu machen. Ich war sehr unsicher was meine Zukunft und mein Arbeitsleben betraf. Dann tat ich etwas, das einige sehr schockiert hat; ich meldete mich Vollzeit bei einer Bibelschule an. In diesem Jahr hörte ich komisches Gerede auf Grund dieser Entscheidung, andererseits könnte ich nicht dankbarer für diesen Entschluss sein.

Zu diesem Zeitpunkt merkte ich, dass ich nicht mehr wirklich daran interessiert war, Bauingenieur zu werden. Also begann ich, regelmäßig nach Projekten zu suchen, an denen ich arbeiten und neue Fähigkeiten erlangen konnte, da Grafikdesign der Job war, der mir die Zufriedenheit und Freiheit gab, die mich glücklich machte. Dann stieß ich auf 99designs und begann, mich an diversen Projekten zu beteiligen, welche dazu beitrugen, aus mir einen besseren Designer zu machen. Ich eröffnete mein eigenes kleines Studio “UTC Designs”, arbeitete morgens von zu Hause aus und nachmittags in der Bibelschule.

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Vintage Travel Branding für Ticket to Mystery

Du stehst ganz eindeutig auf Vintage-Ästhetik. Wie kam es dazu?

Ja, meine Liebe für alles Altmodische kommt von meiner Leidenschaft für handgefertigte und einzigartige Sachen, sei es Essen oder Motorräder. Diese Leidenschaft wuchs mehr und mehr durch das Privileg, für Kunsthandwerker und Mikrobrauereien arbeiten zu dürfen.

In den 80ern und 90ern waren die Dinge einfacher und beinhalteten mehr menschliche Interaktion. Ich bewundere Arbeit, bei der man die Handarbeit fühlt und die eine gewisse “Seele” hat. Und aus offensichtlichen Gründen hat klassisches Design dieses Gespür für Stolz und Zeitlosigkeit, das mich immer wieder fasziniert.

Gibt es einen Ort an den du normalerweise gehst, um Inspiration zu finden?

Ja. Manchmal inspiriert es mich, wenn ich bestimmte Orte auf der Insel besuche. Sei es der Strand oder ein Naturpark. Und wenn ich gerade mein Skizzenbuch dabei habe, kritzel ich ein bisschen herum. Wenn ich während eines Projekts mal einen Inspirationsschub brauche, verbringe ich Zeit mit ein paar guten Freunden und gehe in meiner Heimatstadt etwas gutes essen. Das funktioniert immer.

Was bewegt dich normalerweise zu einem 99design Wettbewerb?

Wann immer ich gerade Zeit habe oder auf der Suche nach einem Projekt bin, durchstöbere ich alles was mit Vintage oder modernem Design zu tun hat. Manchmal ist der Preis meine geringste Sorge. Zuerst schaue ich mir immer die Briefings an, um zu sehen, ob ich mich damit wohlfühlen würde und ob der Wettbewerbshalter realistische Ziele hat.

Als nächstes sehe ich mir die Entwürfe an, sofern es welche gibt, da diese mir einen Einblick in den Geschmack des Kunden geben. Von Wettbewerben, bei denen klobige Designs eine hohe Bewertung haben, halte ich mich immer fern. Im Großen und Ganzen liebe ich alle Wettbewerbe, die auf mich zutreffen und eine angemessene Menge Feedback und ein gutes Briefing haben.

Hast du ein Lieblingsdesign oder Projekt, an dem du gearbeitet hast?

Auf jeden Fall. Mein bestes und liebstes ist das komplette Branding, das ich für die Hatfield & McCoy Moonshine Distillery gemacht habe. Vom Logo bis zur Website und den Labeln hatte ich riesigen Spaß beim Designen! Mir wurde freie Hand gelassen und Zeit gegeben, um mein ganzes Können zu zeigen.

Das Beste daran ist vielleicht die Geschichte hinter der Destillerie selbst. Die Hatfield & McCoy Familienfehde ist in den USA sehr bekannt. Und das Privileg zu haben, für eine Firma mit solch einem Erbe designen zu dürfen, hat mich auf eine ganz neue Ebene und zu ganz neuer Leidenschaft gebracht.

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Moonshine Logo für Hatfield & McCoy

Ich sah wie mein Design auf die wunderbarsten Arten verwendet wurde und die Website erschien sogar bei einem Nachrichtensender! Dieses Projekt hat mich wirklich geprägt. Ich muss dem Freund danken, der meine Fähigkeiten erkannt und mir voller Vertrauen das Projekt gegeben hat.

Was ist die wichtigste Lektion, die du als Designer gelernt hast?

Was von all den Dingen, die ich gelernt habe, am meisten heraussticht, wäre wohl, die Dinge immer echt, klar und einfach zu halten. Das trifft auch erstaunlich gut auf das Leben zu. Ich hatte manchmal diese Bewunderung für großartige Designer oder Vorbilder und habe oft versucht, ihren Stil nachzuahmen, aber dann habe ich gemerkt, dass es nicht wirklich das war, wofür ich stand in Bezug auf meine Einstellung gegenüber Design an sich.

Es ist gut, über aktuelle Trends auf dem Laufenden zu bleiben und in der Designwelt auf dem neuesten Stand zu sein, aber ich habe gemerkt, dass ich selbst zu sein, in aller Unkompliziertheit, mir mehr Zufriedenheit brachte und mir zu einer weiteren Ebene der Unverwechselbarkeit verhalf, wenn man das so sagen kann. So entwickle ich meinen Stil. Außerdem hätte ich niemals meinen eigenen Stil verfolgt, wäre ich heute wahrscheinlich nicht da, wo ich bin.

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Vintage Logo für South Slope

Was machst du am liebsten, wenn du nicht designst?

Ein altes Hobby von mir ist Angeln und Bodyboarding am Tamarin Bay, welcher mein Lieblingsstrand und Surf Spot ist. Allerdings habe ich das schon eine Weile nicht mehr gemacht, daher spiele ich manchmal einfach auf meiner Gitarre und lerne mehr über klassische Motorräder – etwas das sich wirklich intensiviert hat, da ich vor Kurzem eins gekauft habe. Außerdem treffe ich mich gerne mit einem Designerkollegen und seiner Familie, die mir sehr viel bedeuten.

Möchtest du noch etwas hinzufügen?

Ich möchte 99designs für die tolle Gelegenheit danken, ein bisschen was von mir erzählen zu können und dafür, dass sie sich ernsthaft kümmern. Was mich betrifft, bin ich sehr zuversichtlich und gespannt, was die Zukunft bringt. Kunst ist eine niemals endende Reise und ich habe gerade erst angefangen. Mein Ziel ist es, ein stolzes Erbe für die Generationen zu hinterlassen, die in die Fußstapfen der Innovatoren und Weltveränderer – die wir kreativen Denker sind – treten werden.  

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