Kommt ihr gerade frisch von der Uni und spielen mit dem Gedanken, euch als Grafiker selbstständig zu machen? Dann steht ihr nicht alleine da, wenn ihr euch mit steuerlichen Fragen und Anmeldungen bisher kaum beschäftigt haben. felix1.de hilft und erklärt anhand der 7 wichtigsten Fragen, was bei der Gründung eines Einzelunternehmens als Grafiker zu tun ist und worauf es ankommt.

corporate identity paket designer

Ein ansprechendes Corporate Design ist viel, aber lange nicht alles auf dem Weg zur Gründung. 

Welche Rechtsform wähle ich?

Was ihr bei der Gründung beachten müsst, hängt in erster Linie davon ab, welche Rechtsform ihr wählt. Wenn ihr nicht mit anderen zusammen eine GmbH o.ä. gründen, sondern als „Einzelkämpfer“ loslegen wollen, stellt sich für euch trotzdem eine wichtige Frage: Seid ihr als Grafiker Freiberufler oder Gewerbetreibende?

Davon hängt ab, wo ihr euch anmeldet, was für Steuern ihr zahlen müsst und wie ihr eure Bücher führen müsst. Was aber ist ein Freiberufler? Hier gibt es typische, sogenannte Katalogberufe. Dazu gehören bspw. Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten. Gewerblich hingegen sind handwerkliche Berufe oder Einzelhändler. Wie aber ist es nun bei Grafikern?

Wie es bei Juristen oft so schön heißt: Das kommt darauf an. Entscheidend ist, ob ihr eher schöpferisch künstlerisch tätig seid oder doch eher handwerklich. Bei Grafikern wird man wohl in den meisten Fällen von ersterem ausgehen und damit einen Freiberufler annehmen können. Aber Vorsicht: Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn ihr nach einem Baukastensystem vorgehen und eher anonyme Kunden habt, ist wahrscheinlich ein Gewerbe anzumelden. Auch wenn ihr Prospektwerbung für einen Baumarkt gestaltet, wo ihr neben der Anordnung von Werbefotos kaum Gestaltungsfreiheit habt, solltet ihr lieber nochmal vom Experten prüfen lassen, ob nicht doch ein Gewerbe vorliegt.

Wo muss ich mich anmelden?

Als freiberuflicher Grafiker müsst ihr euch beim Finanzamt anmelden. Nutzt dafür das Formular „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“.

Seid ihr Gewerbetreibender, müsst ihr euch zusätzlich beim Gewerbeamt anmelden. Außerdem ist eine Mitgliedschaft bei der IHK Pflicht für jeden Gewerbetreibenden.

Wichtig: Als freiberuflicher Grafiker müsst ihr zudem wahrscheinlich die Künstlersozialabgabe zahlen. Das ist ein Beitrag zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, allerdings in Höhe des Beitrags, die ein Arbeitnehmer zahlen müsste. Den Arbeitgeberanteil übernimmt die Künstlersozialkasse (KSK). Die private – oftmals teurere – freiwillige Krankenversicherung, die Selbstständige sonst abschließen müssen, erübrigt sich dadurch, ob ihr Pflichtmitglied seid, könnt ihr durch Antrag bei der KSK feststellen lassen.

Was muss ich für Steuern zahlen?

Als Grafiker, der freiberuflich tätig ist, sind Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag zu zahlen. Bei Gewerbetreibenden kommt noch die Gewerbesteuer hinzu.

Was muss ich bei der Umsatzsteuer beachten?

Bei der Gründung sind gleich mehrere wichtige Entscheidungen zu treffen.

1. Soll- oder Ist-Versteuerung:

Wollt ihr die Umsatzsteuer bereits abführen, wenn ihr die Leistung erbracht habt, oder erst wenn euer Kunde gezahlt hat? Letzteres ist hier anzuraten. Das nennt sich Ist-Versteuerung und muss ausdrücklich im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ beantragt werden.

2. Kleinunternehmer:

Unternehmer, die Umsätze unterhalb der Grenze von 17.500 Euro haben, sind Kleinunternehmer. Dann müssen sie keine Umsatzsteuer zahlen. Aber: Wenn ihr eure Leistungen überwiegend anderen Unternehmern anbietet statt Privatkunden, solltet ihr hiervon keinen Gebrach machen. Hier lohnt es sich, freiwillig die Umsatzsteuer zu zahlen. Sind die Umsätze allerdings eher gering, bleibt ihr am besten Kleinunternehmer.

Was muss ich zur Einkommensteuer und Gewerbesteuer wissen?

Die Einkommensteuer hängt vom Einkommen ab. Wer – nach gewissen Abzügen – weniger als 8.354 Euro Einkommen hat, muss gar keine Einkommensteuer zahlen. Ist das Einkommen höher, fällt darauf ein bestimmter Steuersatz an. Wer mehr Einkommen hat, muss mehr Steuern zahlen: Der prozentuale Steuersatz steigt bei höherem Einkommen (progressiver Einkommensteuertarif). Maximal könnt ihr bis zu 45% Einkommensteuer verdonnert werden.

Wenn ihr ein Gewerbe angemeldet habt, müsst ihr grundsätzlich auch Gewerbesteuer zahlen. Allerdings gibt es auch hier einen Freibetrag: Wer unter 24.500 Euro liegt, hat Glück. Der Steuersatz, der über den darüberliegenden Gewerbeertrag zu zahlen ist, hängt von der Gemeinde ab. Aber selbst wenn ihr Gewerbesteuer zahlen müsst, ist das in der Regel nicht dramatisch: Da die Steuer auf die Einkommensteuer angerechnet wird, sind die Auswirkungen gering.

Was habe ich sonst noch für Pflichten?

Mit dem Abführen der Steuer ist es noch nicht getan. Ihr müsst auch Steuererklärungen einreichen – und zwar bis zum 31.5. des jeweiligen Folgejahres. Wer sich einen Steuerberater sucht, kann die Frist verlängern. Außerdem müssen während des Jahres bereits Steuervoranmeldungen abgegeben werden – z.B. auf die Umsatzsteuer.

Was für viele Gewerbetreibende eine bittere Pille ist: Ihr müsst eine Bilanz aufstellen, wenn ihr einen Gewinn von mehr als 50.000 Euro oder einen Umsatz von mehr als 500.000 Euro habt. Wenn ihr dagegen Freiberufler seid, reicht bei euch eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Die Bilanz ist deutlich aufwändiger. Hier ist es ratsam, einen Steuerberater hinzuzuziehen.

Wie viel muss ich verdienen, um davon leben zu können?

Um euch zu verdeutlichen, was nach alledem finanziell noch so übrig bleibt, ein kleiner Beispielfall: Ein Grafiker hat einen Stundensatz von 50 Euro plus Mehrwertsteuer. Wenn er 1.500 Stunden im Jahr arbeitet, hat er einen Umsatz von 75.000 Euro. Für sein Equipment, das er für die Ausführung der Arbeiten braucht, gibt er ca. 20 % des Umsatzes aus (Betriebsausgaben).

Ist der Grafiker Freiberufler, liegt die Einkommensteuer inkl. Solidaritätszuschlag bei ca. 12.200 Euro. Nach Abzug der Rentenversicherung (6.000 Euro) und Krankenversicherung (9.000 Euro) verbleiben etwa 32.800 Euro.

Ein gewerbetreibender Einzelunternehmer hingegen zahlt an Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag durch die Anrechnung der Gewerbesteuer nur ca. 7.200 Euro. Die Gewerbesteuer selber liegt bei etwa 5.100 Euro, sodass am Ende knapp 32.700 Euro im Jahr übrig bleiben.

Fazit: Wie ihr seht, ist gar nicht so viel zu tun. Auch wirkt sich die Zahlung der Gewerbesteuer gar nicht so besonders aus. Auf der anderen Seite muss ein Gewerbetreibender mehr Pflichten erfüllen. In der Regel werdet ihr als Grafiker aber als Freiberufler durchgehen. Wenn ihr die Tipps beachtet, wird euch bei der Steuer nichts passieren.

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 Zur Autorin

Annika Haucke/felix1.de AG Steuerberatungsgesellschaft
Annika Haucke ist Rechtsanwältin und schreibt für felix1.de spannende News insbesondere zu Themen, die die Steuerwelt bewegen. Dabei ist es ihr ein Anliegen, komplexe Sachverhalte in einer für jeden verständlichen Sprache lebhaft rüberzubringen.