Du willst ein Unternehmen gründen, aber dir schwirrt der Kopf vor starrer Rahmenbedingungen und Erwartungen, die du glaubst dabei erfüllen zu müssen? Der „New Work“-Ansatz könnte die Lösung für dich sein. Hier erklärt Autor und Blogger Marcus Klug wie Unternehmer sich mit „New Work“ ein Arbeitsleben nach ihren Vorstellungen aufbauen können.

Traditionelle Denkweisen zur Unternehmensgründung

Wenn du ein Unternehmen gründest, orientierst du dich üblicherweise an äußeren Rahmenbedingungen und an der Art und Weise, wie man beispielsweise in Deutschland für gewöhnlich ein neues Unternehmen aufbaut. Davon ausgehend schließt du auf deine eigenen Bedürfnisse für eine mögliche Kultur des Arbeitens.

Präziser formuliert: Du lässt dich in deinem unternehmerischen Denken von äußeren Rahmenbedingungen lenken – Rahmenbedingungen in der Gründung deines Unternehmens, die noch aus der Epoche der Industrialisierung stammen. Unternehmer kannst du in diesem Sinne nur sein, wenn du einen Businessplan hast, Fremdkapital aufnimmst, Büroflächen anmietest, schon sehr bald Mitarbeiter einstellst und dich dem klassischen Wachstumsbegriff verschreibst: „höher schneller weiter“. Diese Denkweise ist problematisch, denn sie erlaubt Unternehmern nicht, ihre Arbeitsweise so zu gestalten, dass sie zu ihren Bedürfnissen passt.

„New Work“ als Alternative für Unternehmer

Der Kerngedanke von „New Work“ ist die Frage danach, wie du so gründen kannst, dass du in der Gestaltung deiner Arbeit möglichst flexibel bleibst. Dass du beispielsweise nicht ständig im Büro anwesend sein musst, sondern selber darüber entscheiden kannst, wann und wo du arbeiten willst, wenn es um das Austüfteln von weiteren Ideen zu deinem Business geht oder um strategische Überlegungen.

Stell dir vor: als Larry Page und Sergey Brin Google gründeten, hatten sie überhaupt keinen Businessplan. Und sie schrieben über viele Jahre auch keine schwarzen Zahlen. Ihre Idee erwuchs eher aus einem Forschungszusammenhang. Dabei hatten sie allerdings von Anfang an eine große Vision, denn sie wollten die beste Suchmaschine der Welt entwickeln. Wären sie mit dieser Idee in Deutschland zu einer Bank gegangen, so hätte sich mit Sicherheit keine Bank dazu bereit erklärt, ein derart „gewagtes Vorhaben“ zu finanzieren. Viel zu experimentell und versponnen. Zwar stehen viele Entrepreneure im Silicon Valley nicht gerade für Bescheidenheit, was ihr Mindset anbelangt. Doch von ihrer flexiblen Arbeitseinstellung kannst du trotzdem etwas lernen.

„New Work“ steht also für die Grundüberzeugung, dass die Menschen erst einmal damit anfangen sollten, wirklich etwas in ihrem Leben zu unternehmen. Beispielsweise als Kopfarbeiter und Kreative, die viel mit Computer arbeiten, eigene Formate und Produkte entwickeln, die anderen Menschen bei der Lösung von zentralen Problemen helfen oder die gar auf höherer Ebene dafür stehen, einen Beitrag zu einer anderen Art des zukünftigen Wirtschaftens beizusteuern. Das Ergebnis: Weniger Ressourcenverschwendung; mehr erfüllendes und selbstbestimmtes Handeln im Einklang mit Mensch und Umwelt, mehr Gestaltung.

Erst an dieser Stelle kommen die Rahmenbedingungen ins Spiel: Wo und wann möchte ich arbeiten? Brauche ich überhaupt noch einen festen Bürositz, wenn gerade der Wechsel zwischen den Orten zu den besten Ideen führt und den Geist belebt? Und wie übertrage ich Verantwortung auf die Gemeinschaft?

Umdenken bei Arbeitseinstellung und Motivation

Wenn du eine Verbindung zu dem hergestellt hast, was du wirklich willst, hast du auch ausreichend Motivation dazu, zum Entrepreneur zu werden. Denn nur so bist du ausreichend intrinsisch motiviert, für alle Anstrengungen, die in der Zukunft noch auf dich warten. Und auch nur so kannst du beispielsweise über Jahre neben einer Festanstellung ein eigenes Business im Internet aufbauen.

Bei „New Work“ geht es um eine veränderte Einstellung zur Arbeit, um eine neue Arbeitskultur, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Leben im positiven Sinne aufgehoben werden. Dafür ist es zwingend erforderlich, dass du dich ausgiebig mit der Frage beschäftigst, was du willst und wofür du wirklich brennst.

So vereinst du „New Work“ mit dem Unternehmerdasein

„New Work“ und „Entrepreneurship“ kommen zusammen, wenn du dir im Folgeschritt genauer überlegst, wie du mit deiner Leidenschaft auch gutes Geld verdienen und wie du bei deinem Business auf systematische Weise auf die Kraft des Internets setzen kannst, um deine Arbeit leichter zu gestalten. Wenn du dann später so erfolgreich sein solltest, dass du um die Expansion deines Unternehmens nicht herumkommst, kannst du dir immer noch überlegen, wie weit du es mit der Expansion treiben willst.

Wir haben die folgenden 6 grundlegenden Schritte identifiziert, wie du „New Work“ und „Entrepreneurship“ digital zusammenführst:

  1. Am Anfang steht die Idee zu deinem Business. Diese Idee sollte so stark mit deiner Persönlichkeit verwurzelt sein, dass du dir prinzipiell vorstellen kannst, diese Idee für die nächsten zehn Jahre in all ihren Verzweigungen weiterzuverfolgen, sollte diese erfolgreich sein.
  2. Da du bei der Verfolgung deiner Idee stark auf die Kraft des Internets setzen möchtest, verfolgst du zunächst ein möglichst minimalistisches Geschäftskonzept: Du nimmst keinen Kredit bei einer Bank auf, mietest keine feste Büroflächen und stellst auch keine Mitarbeiter ein.
  3. Dabei gibt es auch Unternehmertypen neben Dienstleistern und Händlern, die dir wahrscheinlich eher nicht so geläufig sind: etwa „Experten“ und „Edupreneure“, die eigene digitale Bildungs- und Wissensprodukte gestalten, etwa E-Books, Video-Trainings und Membership-Portale, und die auch ein eigenes Entrepreneurial-Design darstellen.
  4. Bevor du dein erstes Produkt verkaufst, etablierst du eine Website (Blog) mit möglichst hochwertigem Content für potenzielle Interessenten und startest zugleich einen außergewöhnlichen Newsletter.
  5. Dein Business als angehender Experte startet mit einem MVP, einem Minimum Viable Product, bevor du weitere Produkte und Produkt-Serien planst: also ein „Wissensportfolio“ aufbaust.
  6. Du arbeitest bei deinem Online-Business von Anfang an mit Komponenten, um einzelne Arbeitsschritte auszulagern und Prozesse zu automatisieren. Dabei achtest du immer auch auf deine Kosten und bildest zugleich eine finanzielle Rücklage für die Zeiten aus, in denen du noch nicht wirklich Geld mit deiner Idee verdienst. Diese sollte möglichst für ein Jahr reichen, damit du erst gar nicht in das nächste Hamsterrad hineingerätst.

Wie muss sich Unternehmenskultur zukünftig verändern?

Umgekehrt haben wir uns zudem die Frage gestellt, wie sich Organisationen in Bildung und Arbeit zukünftig verändern müssen, damit Kopfarbeiter und Kreative sich mehr mit ihren Ideen entfalten können. Wie sieht also eine kreative Ökologie in der Zukunft aus?

Ein Aspekt davon ist die Möglichkeit, selber darüber zu entscheiden, wann und wo man arbeiten will. Auf der Ebene der Unternehmen steht „New Work“ dann für eine andere Kultur. So beschäftigen sich Unternehmen, die für solche Entwicklungen im Übergang zum digitalen Zeitalter offen sind, unter anderem mit neuen Formen der Entscheidung, Arbeitsorganisation und Führung. Themen sind dabei auch die Wahl von Führungskräften, Mitsprache bei Produktentscheidungen, hohe Souveränität in der Arbeitsorganisation und Einkommensnivellierung. Das sind zugleich auch entscheidende Faktoren in der Gestaltung einer Unternehmenskultur, die sich auf die Fahne geschrieben hat, in Zukunft mehr Innovation hervorzubringen.

Fazit

„New Work“ ist wesentlich mehr als der Versuch, einfach die Arbeitskultur aus der Epoche der Industrialisierung unter digitalen Bedingungen noch weiter zu beschleunigen und zu optimieren. Das wäre „Arbeit 4.0“.

Im besten Fall verbirgt sich hinter „New Work“ eine ganz neue Art des Arbeitens, die dir auf der einen Seite in der Gestaltung deiner Arbeit wesentlich mehr Freiheiten einräumt und dich intrinsisch motiviert, auf der anderen Seite aber auch mit zahlreichen neuen Herausforderungen verbunden ist, was die Systematik dahinter anbelangt. Denn noch wissen wir nicht, wie wir in 10 Jahren in einer digitalen Netzwerkökonomie arbeiten werden. Das ist ein ähnlich großes Experiment wie der Übergang zur Epoche der Industrialisierung vor mehr als 150 Jahren.

Mehr zum Thema „New Work“ erfährst du im Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ von Marcus Klug und Michael Lindner.

Über den Autor

Marcus Klug, geboren 1977, ist Redner, Blogger und Autor. Neben seiner Tätigkeit als Blogger und Formatentwickler für das Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke hat er zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ verfasst, das im März 2017 „Buch des Monats“ wurde. Das Sachbuch bildet die Basis für ein eigenes Expertenprogramm als Speaker: „Wissensabenteuer für die digitale Zukunft“.