Vor ein paar Wochen haben wir unsere Community gefragt alle erdenklichen Fragen zum Thema Branding zu schicken, die sie dem Autor, Investor, Sprecher und Unternehmer Tim Ferriss schon immer einmal stellen wollten.

Das Buch “Die 4-Stunden Woche”, durch welches Tim Ferriss berühmt wurde, wurde in 35 Sprachen übersetzt und mehr als 1.350,000 mal weltweit verkauft. Durch den Erfolg konnte Tim seine eigene Lifestyle Design-Marke aufbauen und sich selbst einen Namen schaffen.

Wir haben uns mit Tim zusammengesetzt, um ihm alle Eure Fragen zum Thema “Wie baue ich eine Marke auf und gründe ein Unternehmen, das gut aussieht und Kunden anzieht” zu stellen.

  • Hast Du bereits von Anfang an aktiv geplant Deine Personal Brand aufzubauen oder war Ganze nur ein Nebenprodukt Deiner anderen Projekte? [von @kinglis01]

“Eine Personal Brand aufzubauen war nie ein Plan oder eine Priorität. Das gilt auch noch heute. Ich will zwar, dass Leute wissen wofür ich stehe (z.B. Lifestyle Design, beschleunigte Lernprozesse, Weltreisen, Bildungsreformen, etc.), aber diesbezüglich gab es nie eine Strategie.

Ich versuche sehr stark ich selbst zu sein – was manchmal sehr schwer ist – und auch trotz des öffentlichen Kugelfeuers, die bestmögliche Version von mir selbst zu sein. Das mag einfach oder vielleicht sogar lächerlich klingen, aber für mich funktioniert das.

Ich denke das Konzept einer Personal Brand ist recht neu. Hatten Thomas Edison oder Henry Ford gute Personal Brands? Manche würden sagen Ja, aber das war nie ihr Ziel. Meiner Meinung nach enststeht eine Personal Brand als Nebeneffekt anderer guter Ziele und durch konsistentes Handeln und nicht, weil sie das Ziel selbst war.”

  • Du nutzt selbst viele Outsourcing-Dienste, indem du virtuelle Assistenten verwendest; wie stellst du sicher, dass Deine Markenstimme trotzdem konsistent bleibt? [von Blueberry Dynamic]

“Das ist relativ einfach. Ich betreibe nie Content-Outsourcing. Natürlich, habe auch ich manchmal ein wenig Hilfe, wenn ich wiederholbare Inhalte generiere (z.B. eine wiederkehrende Reihe von Links in mehreren Blog-Beiträgen), aber in 99% der Fälle, schreibe ich meine Inhalte selbst.

Das gilt für die Texte auf meiner Homepage, Emails oder Überschriften auf dem Blog, und auch alle meine Social Media Kanäle. Selbst jetzt schreibe ich alle meine Social Media Posts selbst und habe auch nicht die Absicht das zu ändern. Meine Tweets, wenn ich betrunken bin, können dies bestätigen, ha.”

Tim Ferriss
  • Wenn Du am Anfang eines Projektes stehst, planst Du es bis zum Ende durch, oder nur bis zu einem gewissen Punkt? Und was wäre so ein Punkt? [von @gmxre]

“Das kommt auf den Umfang des Projektes an. Manche Projekte sind 1-2 Wochen lang. Diese plane ich bis zum Ende durch. Andere Projekte, wie ein Podcast, haben keine vorgegebene Länge. Hier ist es wichtig eine Regelung für diese Fälle zu haben. Das bedeutet, dass Du Dir immer einen Ausstieg offen behalten solltest, falls es nicht funktioniert.

Ich selbst verpflichte mich mental immer zu 6 – 12 Folgen, danach würde ich die Situation neu bewerten und eventuell das Projekt anhalten. Ich brauche fast nicht sagen, dass ich am Ende so viel Spaß gehabt habe, dass es mittlerweile über 40 Folgen gibt. Jetzt ist mein Ziel das nächste Mal nach 100 Folgen darüber nachzudenken.

  • Du arbeitest mit Startups und hast Deine eigene Personal Brand. Wo ist die Verbindung zwischen diesen beiden Projekten? [von @rockybuckley]

“Ich denke, wir sollten uns von dem Begriff Personal Brand wegbewegen. Dieser ist etwas verstörend, wie jeder andere bekannte, ungenaue Begriff (z.B. Engagement). Daher sollten wir einen besseren, bewährteren Begriff verwenden: Ansehen.

Ja, zwischen meiner Arbeit mit Startups und meinen eigenen Projekten gibt es eine große Überschneidung. Im Prinzip baue ich nur Startups auf, die Produkte kreieren, die ich selbst nutzen will; Produkte, die ich in dieser Welt haben will. Deshalb werdet ihr viele dieser Produkte und Angebote in meinem Update zur “Die 4-Stunden Woche” sehen – wie zum Beispiel Duolingo (Sprachlernplattform), Uber (On-Demand Autos), Evernote (das beste Notiz-Tool auf der Welt), etc.

Das sind Tools, die ich selbst nutze und die auch meinen Lesern empfehle.

  • Die ganze “4-Stunden” Marke scheint für dich sowohl ein Segen als auch ein Fluch zu sein. Auf einer Seite spricht es unser Verlangen danach an, mehr zu erlangen durch weniger Aufwand und ist in dem Sinne wie ein Late-Night Infomercial, das Sales bringt (ich bin ein großer Fan von Late-Night Infomercials, daher sage ich das mit meinem vollen Respekt). Auf der anderen Seite sind die Ideen und Strategien, die Du präsentierst unglaublich einflussreich, wenn Leute diese ernst nehmen und dafür arbeiten, was wiederum ein wenig dem Titel “Die 4-Stunden Woche” widerspricht und der Reaktion vieler Leute darauf. [von Derek Browers]

“Das sehe ich genauso. Die Kritiker bewerten das Buch oft nur nach dem Cover (oder zumindest dem Titel), und beachten nicht, dass ich explizit darauf verweise, dass man hart Arbeiten sollte… aber nur wenn man die richtigen Dinge nutzt (wie zum Beispiel die 80/20 Analyse).

Das Gesamtziel der 4-Stunden Woche und anderer Bücher ist es den Output pro Stunde in verschiedenen Aspekten des Unternehmerlebens zu vergrößern. Sobald man das geschafft hat, ist es jedem selbst überlassen, wie man die neugewonnene Zeit nutzt. Man kann mehr Freizeitaktivitäten einplanen, oder man kann sein Startup verdoppeln und die Wettbewerber platt machen. Oder beides zu verschiedenen Zeiten. Es gibt Jedem die einzig wahre Macht: Optionen.”

Tim Ferriss

Bildquelle inc.com

  • Warst Du Dir diesem quasi Teufelspakt bewusst, als du angefangen hast die 4-Stunden Woche zu schreiben? [von Derek Browers]

“Ja, aber ich habe mir nicht viel dabei gedacht. Man muss beachten, dass dieses Buch von fast 30 Verlegern abgelehnt wurde und nur eine Erstauflage von 12,000 Exemplaren hatte! Niemand hat erwartet, dass dieses Buch zu dem wird, was es geworden ist, und z.B. für fast 5 Jahre auf der NYT Liste stand. Es ist verrückt.

Also ja, ich war mir dem Potential bewusst, dass es Missverstanden werden könnte, ich habe nur nicht erwartet, dass das in über 20 Sprachen und Millionen Auflagen passieren würde. Ohje!”

  • Wenn Du nochmal anfangen könntest, würdest Du irgendetwas ändern? [von Derek Browers]

“Nein. Ich bereue nichts und bin damit sehr glücklich. Ich würde das Rezept nicht ändern. Eine Hälfte von mir ist sich immer noch nicht sicher, wie diese “Karriere” aus Versehen passieren konnte.

  • Hast Du vor Dich von der Art des Brandings wegzubewegen? Falls ja, wie würdest Du diese Herausforderung in Angriff nehmen? [von Derek Browers]

“Ich will mich definitv von dem “4-Stunden” Branding wegbewegen, aber ich bin auch ein bisschen nervös. Ich habe nichts weiter zu beweisen und egal wie ich meine nächsten Projekte oder Bücher nenne, werde ich immer der “4-Stunden”-Typ sein – daher wird es mich wahrscheinlich für immer begleiten.”

  • Fangen die besten Partnerschaften mit anderen Marken ganz von selbst an oder bei einem Drink? ? [von @_Terasu_]

“Sowohl als auch. Die besten Partnerschaften sind ein Kinderspiel. Dazu braucht man nicht viel Brainstorming zu betreiben. Die meisten Partnerschaften meines Unternehmens beginnen mit einem zufälligen Kontakt auf Twitter oder per Email, gefolgt von einem Wein, gefolgt von witzigen Kollaborationen. Es muss ein tot sicheres offensichtliches Match sein, um sehr erfolgreich zu werden, zumindest meiner Erfahrung nach.”

  • Ist es sinnvoll für eine lokale Marke ein Online-Geschäft aufzubauen? Oder sollte man von Anfang an global denken? [von @Bayareamade]

“Nehme zunächst erst einmal eine kleine Nische ein. Versuch nicht vom 1. Tag an das Meer zu kochen. Ich empfehle Zero to One von Peter Thiel zu lesen, um mehr über das Thema zu erfahren. Die geografische Frage hängt davon ab, was man verkauft, die Kosten, den Vollzug, etc. Lest Peters Buch, lest, wie Noah Kagan und Hiten Shah Online-Tests durchführen und testet, testet, testet!

Du kannst Dich nicht selbst aus den meisten Unentschlossenheiten herausdenken. Du muss diese im wahren Leben TESTEN. Mache viele kleine Fehler, die sich wieder beheben lassen, und Du wirst die fatalsten vermeiden.”

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