Wie funktioniert reibungslose Zusammenarbeit zwischen Kollegen, Unternehmen und Generationen? Hier erklärt Autor Alex T. Steffen wie man erfolgreich eine Arbeitskultur 4.0 schafft.

Die Grenzen der Agilität

Es ist Berlin im November 2016. Gerade entwickle ich ein neues Lern-Produkt zum Thema Arbeitskultur 4.0. Für die Entwicklung gehe ich eine strategische Kooperation mit einem Unternehmen aus der traditionellen Wirtschaft ein. Old Economy meets New Economy. Die Vermarktung soll in den kommenden Tagen anlaufen. Zentrale Ansprüche sind sowohl Schnelligkeit als auch hohe Qualität. Das sind gute Gründe für die Kunden um zu kaufen, zu bleiben und von Herzen gerne zu empfehlen.

Autor und Unternehmensberater Alex T. Steffen

Doch das Verständnis von Arbeitskultur 4.0 ist bei Alt und Jung nicht deckungsgleich. Viele Angehörige der Digitalwirtschaft sehen in der Agilität die Lösung aller arbeitsbezogenen Herausforderungen. „Werdet agiler!” predigen sie den etablierten Managern. Die Managementwelt hat sich diesem Trend schon unterworfen. Sie pilgern zu Design Thinking Labs und besichtigen in scharen Innovation Labs.

Doch so gut gemeint der Ansatz auch ist, genauso folgenlos bleibt er zumeist. Man lernt auch nicht Malen, indem man den Louvre besichtigt. Agilität ist derzeit trendig. Und wie bei den meisten Trends wird dabei die zeitlose Realität ignoriert: Wirtschaften erfordert die bewusste Zusammenarbeit von Menschen mit verschiedener Gesinnung, Haltung, Kompetenzen und (emotionaler) Intelligenz.

Wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen „Jung” und „Alt” ohne Konflikt?

Eine agile, kundenfreundliche und partnerschaftliche Arbeitskultur zu leben, ist für zahlreiche Unternehmen der traditionellen Wirtschaft schwer. Zu lange haben sich alte Strukturen verfestigt und blockieren den Fortschritt. Doch für die meisten Mitarbeiter und Professionals aus der Next Economy sind diese Strukturen unerträgliche Produktivitäts- und Motivationskiller.

Fit für die Next Economy von Alex T. Steffen und Anne M. Schüller

Wie schaffen Repräsentanten der Next Economy es, die neue Arbeitskultur in Unternehmen und bei Partnern zu etablieren? Nicht etwa, indem man die etablierten Entscheider mit radikalen Ideen unter Zugzwang stellt. Es ist wahr, dass das Wirtschaften ohne eine Arbeitskultur 4.0 bald nicht mehr funktionieren wird. Dann werden viele der weniger anpassungsfreudigen Firmen ihre Türen schließen müssen. Doch Bevormundung klappt bei Alten genauso wenig wie bei Jungen. Unter solchen Umständen verschließen sich Menschen und der Fortschritt wird noch aufwändiger.

Auch einfach agil zu werden, ist unrealistisch. Es ist so, als ob man einem Medizin-Erstsemester sagt, er solle mal eben Geburtshilfe leisten. Wirkliche Transformation erfolgt in der Abfolge von Begreifen, Internalisieren und Rountinieren. Da die „Jungen” eine agile Arbeitskultur in Unternehmen tragen, können die „Alten” sie als Coaches nutzen. Das erfordert aber von beiden Seiten einen Willen, den jeweils anderen zu verstehen und Werte adäquat zu vermitteln.

Wie schafft man eine Arbeitskultur 4.0?

1. Diversität:

In vielen Organisationen baut die Leitung auf die Kompetenz einer homogenen Elite, die zu ihrem Erhalt auch noch Ja-Sager anwirbt. Renommierte Studien beweisen hingegen die Vorteile unkonventioneller Denkansätze von intern und extern. Unicorn-Unternehmen wie AirBnB, WeWork und Uber sind der lebende Beweis.

2. Innovationsgeist:

Die aktuellen Überflieger der Wirtschaft haben längst erkannt, dass der entscheidende Erfolgsfaktor der Next Economy der Einfallsreichtum einer Gemeinschaft und nicht die Herrschaft über bestehende Ressourcen ist.
 Wer ausschließlich auf existierende Partner, Standards und Modelle setzt, riskiert, überholt zu werden. Selbst-Disruption ist eine Schlüssel-Disziplin.

3. Macher-Haltung:

Angst bremst Innovation. Wer mit Skepsis und Zurückhaltung siegen will, tut sich in der Zukunft schwer. Das kann man gerade in Deutschland nicht oft genug sagen. Ein Vertrauensvorschuss in ungewöhnliche Projekte und Menschen ist ein Muss in einer Welt der ständigen Wandlung und ein Eckpfeiler der Next Economy.
 Ganz nach dem Motto „Yes AND …”.

4. EQ:

Moderne Erfolgsgeschichten effektiver Führungs- und Arbeitskultur betonen eine hohe Emotionale Intelligenz. Mit dieser wird immer Harmonie und der höchste Gesamtnutzen angestrebt, statt Machtstrukturen auszunutzen, um einzelne Mitglieder (kurzfristig) besser zu stellen. Ein Sinn für Kunden- und Mitarbeiterwünsche darf nicht fehlen.

5. Schlanke Prozesse:

Bürokratie schafft Frust. Arbeiten in Silos macht wirklichen Fortschritt träge und langsam. Wer weiterkommen möchte, überdenkt langwierige Prozesse, denn diese dauern so lang, dass beim Erreichen der Deadline die Zeit dafür fehlt, hohe Qualität zu liefern.

In einer digitalen und globalen Wirtschaft, und besonders bei der Zusammenarbeit über Generationsgrenzen hinweg zählt die Fähigkeit, aufeinander einzugehen. Das ist der Kern der Arbeitskultur 4.0. Der Dichter Rumi hat es so ausgedrückt: „Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort treffe ich dich.“ Bevormundung nützt wenig, Empathie und Geduld umso mehr.

Die Transformation in eine neue Arbeitskultur gelingt nur, wenn man den Etablierten begegnet, wo sie sind. Jede Arbeitsweise hatte ihre Berechtigung. Deshalb muss man die Menschen rücksichtsvoll abholen, indem man ihre Beweggründe zu verstehen versucht. Durch Zuhören gewinnt man sie für seine eigene Agenda, beispielsweise die Arbeitskultur 4.0. In Zeiten der digitalen Transformation ist Brückenbauen und konfliktfreie Kommunikation (sprich: emotionale Intelligenz) ebenso wichtig wie Agilität.

Du willst tiefer ins Thema Next Economy eintauchen? Wie du mithilfe der Arbeitskultur 4.0 für erfolgreiche Zusammenarbeit sorgen kannst, erfährst du im Management-Bestseller „Fit für die Next Economy”.

Über den Autor:

Alex T. Steffen ist Unternehmensberater mit Fokus auf Innovation und Digitale Transformation. Durch seine Keynotes und Workshops hilft er Unternehmen dabei, in Zeiten des Wandels agiler und robuster zu werden. Er besitzt Arbeitserfahrung aus sechs Ländern in Europa, Nord- und Südamerika und war Angestellter in analogen Unternehmen und digitalen Startups. Daher kennt er in Bezug auf die Arbeitswelt beide Seiten der Medaille. Hier gibt es weitere Infos.

Du möchtest dein Unternehmen voranbringen? Das richtige Design hilft dir dabei!