T-Shirt Design leicht gemacht! Die meisten qualifizierten Designer sehen T-Shirts und denken „Das könnte ich auch.“ Als ob ihnen das Wissen irgendwie angeboren wäre oder so leicht, dass jeder Anfänger es hinbekommen würde. Dann fängst du an und kommst einfach nicht mehr weiter. Fakt ist, induviduelle T-Shirt Designs (und eigentlich alle Siebdruck-Designs) sind wirklich eine Sache für sich und du solltest die Regeln kennen, bevor du anfängst.

Die Hürden sind klein, aber es gibt davon eine Menge und sie kommen oft ganz unerwartet. Manche tauchen während der Designphase auf, wenn dir das genaue Ziel erst bewusst wird. Dieses großartige T-Shirt Design, an dem du die letzten drei Nächte gearbeitet hast, mag vielleicht nicht mehr so großartig sein, wenn du es vom Bildschirm auf ein Stück Baumwolle, welches von einem menschlichen Körper getragen wird, überträgst. Im ersten Teil dieses Posts werden wir alle Besonderheiten durchgehen, die du bedenken musst, wenn du Kleidung gestaltest.

Screen printing process
Siebdruckprozess (via Flickr)

Andere Probleme werden unausweichlich auftreten, wenn du deine Dateien für den Drucker vorbereitest. Siebdruck ist letztendlich ein ziemlich einfacher Prozess, aber einer mit jeder Menge Platz für Fehler und zusätzliche Kosten. Das Letzte, was du möchtest, ist mit einer verbockten Auflage oder einem viel höheren Preis als ursprünglich geplant, dazustehen. Im zweiten Teil betrachten wir alle Erwägungen, die du machen musst, und alle Fachbegriffe, die du kennen musst, um sachgemäß mit einem Drucker zu kommunizieren und chaotische Situation zu vermeiden.

Bevor wir anfangen, ein kurzer Haftungsausschluss. Jeder anspruchsvolle T-Shirt-Designer hat seine eigene Methode, seine Dateien anzulegen und ebenso hat jede Druckerei ihren eigenen Ansatz und Regeln. Um diesen Unterschieden gerecht zu werden, haben wir diesen Post allumfassend gehalten und gleichzeitig so allgemein wie möglich. Dementsprechend wird dies keine wortwörtliche Schritt-für-Schritt-Anleitung. 

Teil 1: Der kreative Teil

Wir haben uns 8 Tipps überlegt, die besonders wichtig sind, wenn man T-Shirt Designs entwirft. Einige von ihnen sind mehr oder weniger einzigartig für diese Art des Designs und daher leicht zu übersehen. 

T-shirt design by blandine*
T-Shirt Design von blandine*

1. Wer ist deine angestrebte Zielgruppe?  

Das trifft natürlich nur zu, wenn du für einen Kunden statt für dich selbst gestaltest. Und doch verwechseln überraschenderweise oftmals selbst erfahrene Designer diese beiden Situationen, besonders wenn es um so etwas wie Kleidung, die sehr vom persönlichen Geschmack abhängt, geht.

Anstatt deinen eigenen bevorzugten Stil auf den Kunden zu projizieren, überlege dir, wer der beabsichtigte Träger ist und was ihm gefallen könnte. Du kannst deine persönliche Ästhetik und deinen Stil beibehalten, während du den optischen Charakter anpasst.

2. Verliere niemals den Blick für Größe

Das heißt die Größe deines Designs, aber eher mit Betonung darauf, wie diese Größe sich zu ihrer Umgebung verhält: In diesem Fall, ein T-Shirt, das von einer Person am Körper getragen wird. Das T-Shirt Design mag cool auf einem Computerbildschirm aussehen, aber seltsam, wenn man es verkleinert (oder vergrößert, je nachdem), um zu dem Standard einer Siebdruckplatte zu passen.

Das Beste, was du machen kannst, ist dein Design regelmäßig auszudrucken und an deinen Körper zu halten, um sicherzustellen, dass alles proportional richtig aussieht.

3. Halte Farbe und Detail schlicht, aber nicht langweilig

Das ist eine ziemlich bescheidene Empfehlung, aber nichtsdestotrotz wahr. Besonders bei Siebdruck gilt, je mehr Farben du verwendest, umso teurer wird es und umso größer ist das Risiko für Fehler beim Drucker. Also ist es am besten, es einfach zu halten – drei Farben plus Halbtöne ist normalerweise eine gute Faustregel – aber bitte nicht so sehr, dass dein T-Shirt Design einfarbig und langweilig ist. Finde eine gute Balance!

Das Gleiche gilt für die Detailliertheit. Viel Komplexität mag gut in einem scharfen digitalen Format aussehen, aber schreit nach Katastrophe, wenn man es auf Farbe auf einem Stoff überträgt. Üblicherweise sind einfache, dicke Linien das Sicherste auf diesem Gebiet, obwohl du aber auch hier natürlich nicht zu langweilig werden solltest.

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T-Shirt Design von Budi A

4. Vergiss nicht, dir zu überlegen, welche Farbe das T-Shirt haben wird

Dies kann und sollte Auswirkung auf dein gesamtes Farbschema haben.

5. Kontrolliere deine Tiefe

Auf der eher künstlerischen Seite der Designmerkmale – das heißt außerhalb der Welt der Apps – beinhaltet die Komposition oftmals das Kreieren einer angenehmen Illusion von Tiefe.

Dennoch kann dies eine heikle Angelegenheit sein, wenn du etwas für einen weichen Stoff gestaltest, der sich falten lässt und die optischen Hilfen, die nötig sind, diese Sensation zu erzeugen, unterbricht. Als allgemeine Regel für T-Shirt Designs gilt, dass du alles etwas mehr abflachen solltest, als du es andernfalls tun würdest, ohne die Reichhaltigkeit zu opfern.

6. Kontrolliere deine Balance

Dies gilt zumindest für die Balance deiner Komposition. Dies bezieht sich auf die Aufteilung von optisch „gewichtigen“ Komponenten quer durch dein Design auf eine Art, die nicht zu sehr in eine bestimmte Richtung ausschlägt. Es ist grundsätzlich eine gute Idee, solch eine ausgeglichene Qualität beizubehalten. Nichtsdestotrotz kannst du in bestimmten Situationen mit einer ausgefallenen Unausgewogenheit davon kommen. T-Shirt-Design gehört allerdings wohl eher nicht dazu, denn mit der Ausgefallenheit lässt du den Träger oder die Trägerin seltsam oder gar schief aussehen.

7. Ist es lustig?

Niemand sagt, dass es das muss – besonders wenn wir über ein Werbeshirt für ein Unternehmen oder etwas in der Richtung reden. Abgesehen davon tragen Menschen T-Shirts meist in eher lockeren, entspannten Situationen und Humor passt dazu sehr gut. Wenn nicht brüllend komisch, ist es eine gute Faustregel, eine lebensfrohe, unbeschwerte Stimmung anzustreben.

8. Geh zurück zu der Zeit, als es keine Computer gab

Das soll nicht heißen, dass du per Hand gestalten sollst. Dies wäre eine ziemlich schlechte Idee, da Vektoren und Outlines entscheidend dafür sind, die Dinge für den Drucker so einfach wie möglich zu halten (wir reden darüber noch im nächsten Abschnitt). Beispielhafte Grafikdesigns, die vor der Zeit des Computers gemacht wurden, können eher eine große Inspirationsquelle sein, die dich auf das Wesentliche konzentrieren lassen und dich ermutigen faule, digitale Abkürzungen zu nehmen.  

Dieser Ratschlag trifft auf so ziemlich jede Form von Design zu, kann aber besonders bei T-Shirt Designs nützlich sein, da Probleme oftmals bei der Übertragung von der digitalen Oberfläche auf ein sehr physisches Endprodukt auftreten.

Teil 2: Der technische Teil

Dieser Teil konzentriert sich darauf, dein T-Shirt Design für den Drucker vorzubereiten und das Vokabular zu beherrschen, das du benötigst, um alles mit ihm zu koordinieren. Wir haben ihn in fünf Abschnitte unterteilt, mit Schlüsselworten, die du kennen solltest.

1. Druckprozess

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten, ein Bild auf ein T-Shirt zu übertragen (oder auf eine Tasse, Poster, was auch immer). Eine davon ist digital. Dieser Prozess ermöglicht es, ein extrem detailliertes Bild in all seiner Komplexität zu übertragen – selbst eine Fotografie. Grundsätzlich lohnt es sich allerdings nur bei einer kleinen Auflage, da es relativ teuer ist, es richtig gut zu machen.

Für größere Auflagen ist deine beste Wahl der Siebdruck. Bei diesem Prozess wird das Bild in Schichten aufgeteilt, jede mit einer Farbe. Diese werden dann auf Siebe übertragen, eingefärbt und auf eine Oberfläche aufgetragen –dein hypothetisches T-Shirt – eine nach der anderen, um das Originalbild zu reproduzieren. Es ist einfach, billig und ergibt auffallend klare, wenngleich auch ein wenig vereinfachte Bilder. Dennoch bringt die Schichtmethode bestimmte Komplikationen mit sich, über die wir im nächsten Abschnitt reden.

2. Separationen

T-shirt printing separations
Ein Beispiel für Siebdruck Separationen bei der Verwendung von Illustrator (via Tuts+)

Dies bezieht sich auf die Separation eines Bildes in verschiedene einfarbige Schichten, welche dann auf eine Oberfläche aufgetragen werden, um daraufhin das Ganze wiederherzustellen. Um den Separationsprozess so leicht wie möglich zu gestalten, solltest du definitiv in einem Programm arbeiten, dass es ermöglicht, Formen in digitale Schichten zu unterteilen.

Außerdem musst du ein Vektorprogramm nutzen, damit deine Formen und Schichten erhalten bleiben, falls du die Größe deines Designs ändern musst.

Abgesehen von bestimmten Umständen, welche wir weiter unten diskutieren werden, willst du nicht, dass deine Schichten überlappen, da es dazu führen kann, dass die Farben sich ungewollt vermischen. Um das zu vermeiden, nutze in Adobe Illustrator die Funktion Zuschneiden in der Pathfinder-Palette. Dies verwirft alle Teile deines Designs, die aufgrund von Überlappungen „nicht sichtbar“ sind. Unterteile dein Design von dort aus in Farbschichten.

Wenn es um Text geht, umrande deine Buchstaben lieber, anstatt sie als Schriftart zu belassen. Und zwar deswegen, weil dein Drucker möglicherweise nicht dieselbe Schriftsammlung hat wie du. Wenn du deine Schriftart nicht umrandest und dein Drucker nicht die Schriftart hat, die du verwendet hast, könnte es den ganzen Prozess zum Scheitern bringen – oder schlimmer, der Drucker könnte einfach eine andere Schriftart wählen, die weder du noch dein Kunde wollten. Grundsätzlich solltest du immer daran denken, dass die Geräte und Software deines Druckers möglicherweise andere als die sein könnten, mit denen du dein T-Shirt Design gestaltet hast, was zu Inkompatibilität führen kann, wenn du nicht für alle Fälle vorbereitet bist.

3. Passgenauigkeit

Siebdruck ist nicht immer eine absolut präzise Methode. Ein verbreitetes Problem ist die geringe Abweichung von Schichten während des Auftragens der Farbe, auch bekannt als Passungenauigkeit. Diese machte zwar Andy Warhols Drucke interessant, aber ist vermutlich nicht das, was du willst. Es gibt verschiedene Techniken, die angewendet werden, um sicherzustellen, dass die Schichten ordnungsgemäß passen.

Am weitesten verbreitet ist das Trapping. Dazu erweitert man den Bereich der Formen in den unteren Schichten ein klein wenig – sagen wir 1 Millimeter – um alle möglichen Löcher zu überbrücken, die zwischen ihnen und der nächsten Schicht vorkommen können, davon ausgehend, dass die beiden bündig sein sollen. Falls du mit Beschnitt vertraut bist, dies ist ein ähnliches Konzept.

Eine weitere Möglichkeit, Löcher zu vermeiden ist, einfach eine Farbe direkt auf die nächste zu drucken. Das nennt man Doppeldruckverfahren und kann hilfreich sein, wenn man es mit dünnen Linien zu tun hat, die verloren gehen, wenn man Trapping anwendet. Beachte allerdings, dass, abhängig davon, welche Druckerfarbe man verwendet, Doppeldruck zu einer dunkleren, vermischten Farbe führen kann. Das kann schlecht sein, wenn es nicht das ist, was du möchtest, oder gut, wenn du absichtlich ein dunkleres Element, wie einen Schatten, einbringen möchtest, ohne tatsächlich eine neue Farbe hinzuzufügen. Diese können ziemlich teuer werden!

Der letzte Ansatz, genannt Knockout, bedeutet einfach weder Trapping noch Doppeldruck zu verwende, auf das Beste zu hoffen und sich auf die Genauigkeit des Druckers zu verlassen, die Schichten perfekt auszurichten. Das ist in der Regel keine gute Idee.

Viele Drucker werden dir gerne bei den oben genannten behilflich sein und werden sogar noch weiter gehen und sich die Dateien deines Design anschauen, um die nötigen Bereiche für Trapping und Doppeldruck zu erstellen. Andere werden dich vielleicht bitten, die Dateien für den Druck selbst vorzubereiten oder andernfalls eine Gebühr zu bezahlen. Falls das der Fall ist und du möchtest eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Illustrator, empfehlen wir diesen Post vom Smashing Magazine (Englisch).

4. Color

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Die meisten Druckereien werden es dir danken, wenn du die Pantone Farbmuster verwendest (via Flickr)

Als Faustregel gilt, nutze Pantone Farben, in vielen Designprogrammen auch als Spotcolour bekannt. So ziemlich jede Druckerei wird es dir danken, dieses genaue, universell standardisierte System zu nutzen.

Bedenke dennoch, dass einige ältere Druckereien möglicherweise nicht Pantone verwenden und eventuell eine Gebühr dafür verlangen, deine Pantone Farben mit ihren eigenen Farbmustern abzugleichen. In diesem Fall frage sie vorab nach ihrem Farbmuster, um dich für deine Farben zu entscheiden, oder sei bereit, allgemeine Farben wie „Orange“ zu bestellen und lass die Entscheidung der Druckerei.

Du solltest niemals irgendwelche CMYK Farben in deinem Design verwenden. Druckereien werden sich entweder weigern, CMYK Elemente zu drucken, was zu leeren Flächen in deinem Design führt, oder CMYK Elemente als multiple Doppeldruckfarben interpretieren und dir all das in Rechnung stellen.

5. Materialien

Zum Schluss ist es wichtig, über das tatsächliche physische Medium deines T-Shirts nachzudenken – Das T-Shirt selbst und die Druckerfarben, die du verwendest, um es zu bedrucken.

T-Shirt Designs werden oft in drei Kategorien zusammengefasst: Standard Designs sind weniger als 18 inches x 18 inches, passen also ohne Weiteres in die Mitte der meisten Shirts; übergroße Designs sind größer, bedecken den Großteil des Shirts, gehen aber nicht auf die Ärmel, den Kragen oder den Saum über; und schließlich all-over Designs, die, wie ihr Name schon verrät, sich auf dem gesamten Shirt ausbreiten. Denk daran, dass Nähte und Kragen Farbfallen sein können, und möglicherweise dein Design stören. Auf gleiche Weise werden Ärmel die Ausrichtung deines Designs verändern, abhängig von der Armhaltung des Trägers. Wenn du also ein all-over-Shirt gestaltest, sollte dein Design abstrakt und nicht von solchen Variablen betroffen sein.

Druckerfarbe, genau wie der T-Shirt-Stoff selbst, kommt in einer überwältigenden Anzahl von Varianten, also stelle sicher, dir einen genauen Überblick über die Möglichkeiten, die dir dein Shirt-Lieferant und die Druckerei bieten, zu verschaffen. Einige spezielle Druckerfarben beinhalten Folie (glänzend), hohe Dichte (dimensional, texturierte Erscheinung), Gel (dick und gummiartig) oder sind wasserbasiert.

Das war’s mit unserer Anleitung zu T-Shirt Design und Druck. Wenn wir irgendetwas ausgelassen haben, lass es uns in den Kommentaren wissen!