Bei genauerer Betrachtung sind Logos ziemlich paradox: Sie sind eigentlich nur ein einfaches, kleines Symbol, doch gleichzeitig sind sie aufgrund ihrer Bedeutung und Symbolik unglaublich komplex. Und das ist es, was das Designen und Entwerfen eines Logos so aufregend macht!

Logos haben etwas Faszinierendes an sich: Wie kann ein einfacher Buchstabe oder ein Symbol so viel Bedeutung, Energie und Emotion in sich tragen? Woher weiß ein Logodesigner, dass diese Art von Bild besser funktioniert als eines, das ein kleines bisschen anders ist? Gab es nicht noch andere Optionen? Wie hat der Designer sich für genau diese Formen entschieden? Kurz gesagt: durch sehr, sehr viel Recherche und Skizzieren.

Skizzenbuchseite mit Beispielen zum Skizzieren von Logos
Skizzenbuch von Designerin Andrea Stan aka Mky

Und das bringt uns zum Thema dieses Artikels: das Skizzieren eines Logos! Vielleicht fragst du dich jetzt: „Aber ist Skizzieren nicht einfach? Wieso braucht man dafür einen eigenen Artikel?“ Nun, das Skizzieren eines Logos ist sehr viel komplizierter, als man denkt. Es macht unendlich viel Spaß und ist extrem wichtig, aber auch äußerst kompliziert.

Die Schritte, die du unternimmst, bevor du dich an das eigentliche Designen des Logos machst, sind die wichtigsten, da sie dir den richtigen Weg weisen und verhindern, dass du im Dunkeln tappst. Die Phase, in der du ein Logo skizzierst, ist ein Universum, in dem alles möglich ist und jede Idee zum Leben erweckt wird.

Vorbereitung

Vielleicht freust du dich jetzt schon auf das Skizzieren, aber das ist genau genommen gar nicht der erste Schritt beim Designen eines Logos – oder grundsätzlich beim Designen.

Lerne die verschiedenen Logotypen kennen

Die verschiedenen Logotypen zu kennen bedeutet, dass du eines auswählen kannst, das am besten zu deinem Projekt passt. Ein bestimmtes Unternehmen profitiert vielleicht von einem Symbol, wohingegen ein anderes Unternehmen mit einer starken Wortmarke besser dran ist – manchmal braucht es auch eine Kombination der beiden.

Die Benutzerfreundlichkeit muss beim Designen eines Logos an erster Stelle stehen. Wie und wo wird das Logo verwendet werden? Werden verschiedene Versionen desselben Logos für unterschiedliche Materialien benötigt? Kannst du ein Element aus der Wortmarke als alleinstehendes Symbol nutzen? Gibt es eine bestimmte Geschichte hinter der Marke, die durch ein Symbol repräsentiert werden kann?

Schau dir diesen Artikel zu den unterschiedlichen Logotypen an, in dem gut erklärt wird, was du alles wissen musst, um die richtige Entscheidung zu treffen.

wordmark
Witzige und verspielte Wortmarke von Mky
abstract logo mark
Tolles Beispiel für ein einfaches und abstraktes Logo von Studio Mast
monogram
Sauberes und lesbares Monogramm von Pentagram

Besprechung mit den Kunden

Als Designer musst du ein Meister der Kommunikation sein. Führe ein produktives Gespräch mit deinen Kunden und schicke ihnen ein Briefing, das du zuvor für dich erstellt hast, oder triff dich mit ihnen, um die Details zu klären. In beiden Fällen besteht dein Job darin, jede Frage zu stellen, die du zu ihrem Unternehmen hast – seine Geschichte, Visionen, Ziele und Ästhetik. Das mag eine Weile dauern, da einige Kunden keine Ahnung haben, was sie wollen. Aber es ist dein Job, dies durch die richtige Fragen herauszufinden.

Wenn du das richtig angestellt hast und darauf geachtet hast, was der Kunde gesagt hat, solltest du nun in der Lage sein, eine ziemlich lange Liste mit Stichwörtern zu erstellen, die die Marke beschreiben. Diese Liste wird als Wegweiser dienen, wenn du mit dem Skizzieren beginnst. Diese Liste ist nur für dich, also kümmere dich nicht darum, ob sie gut aussieht. Schreibe einfach alles auf, was dir in den Sinn kommt, wenn du über das Projekt nachdenkst.

Liste mit keywords. von Mky
Liste mit Stichwörtern von Mky

Recherchiere, bevor du mit dem Skizzieren des Logos beginnst

Jetzt kommt der lustige Teil: Moodboards! Diese sind stark auf deine Stichwortliste angewiesen und abhängig davon, auf wie viele Richtungen du dich mit deinen Kunden geeinigt hast, wirst du 1 oder 2 Moodboards erstellen.

Falls du nicht weißt, was ein Moodboard ist und du Hilfe bei der Erstellung brauchst: Ein Moodboard ist eine Sammlung von Bildern, die eine klare visuelle Richtung vorgeben. Es kann Bilder von so ziemlich allem enthalten: Menschen, Farben, Pflanzen, Inneneinrichtung, Logos, Illustrationen, Muster, Bücher etc. Alles, das stilistisch in die Richtung geht, die du dir vorstellst. Es gibt viele Orte, an denen du nach diesen Bildern suchen kannst: von Google Bilder über Pinterest, Design Inspiration oder Unsplash bis hin zu Büchern oder den Fotos auf deinem Handy.

Sei einfach aufgeschlossen und habe ein gutes Auge für Details, da diese Recherche dir ungemein helfen wird, eine visuelle Richtung festzulegen.

Ein Moodboard muss abwechslungsreich sein und die gewünschte visuelle Richtung vermitteln. von Mky
Ein Moodboard vermittelt die visuelle Richtung, in die du gehen willst. Von Mky.

Mach deinen Kopf frei

Ich weiß, dass man sich an dieser Stelle schnell in all den Bildern und Gedanken verlieren kann. Die Versuchung ist groß, alle 15 Minuten eine neue Richtung einzuschlagen, sobald man ein etwas anderes Bild sieht.

Bleibe. Konzentriert.

Entscheide dich für eine oder zwei Richtungen und bleibe dabei. Du wirst sehen, dass es trotz dieser Einschränkungen noch genügend zu entdecken gibt.

Pro-Tipps für das richtige Mindset beim Skizzieren eines Logos

1. Wähle das Medium, mit dem du dich am wohlsten fühlst

Beim Skizzieren geht es darum zu entdecken und Spaß zu haben, daher musst du es mit Tools machen, mit denen du Spaß haben kannst. Wenn du versuchst herauszufinden, wie eine App oder ein Programm funktioniert, lenkt dich das vom Skizzieren ab.

Du kannst klassisch mit Stift und Papier arbeiten. Oder du nutzt Procreate auf dem iPad. Vielleicht ein Wacom-Tablet und Photoshop? Wofür auch immer du dich entscheidest, stelle sicher, dass du damit vertraut genug bist, damit du dich nur auf das Skizzieren konzentrieren musst und nicht auf das Tool selbst.

2. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, etwas zu Skizzieren

Eine weitere coole Sache beim Skizzieren eines Logos ist, dass es nicht nur einen Weg gibt. Jeder Kreative hat seinen eigenen Weg, etwas zu skizzieren, und keiner ist besser als der andere.

Allerdings gibt es Techniken, die am besten zu deinem Stil und Arbeitsablauf passen, und das findest du nur durch Ausprobieren raus. Du hast vielleicht ein total chaotisches Skizzenbuch, während all deine Kollegen ihres schön sauber halten. Oder du springst schnell von einer Skizze zur nächsten, während deine Kollegen sich Zeit nehmen, bevor sie zur nächsten übergehen.

Lass dich nicht einschüchtern oder entmutigen, wenn andere anders vorgehen. Jeder von uns ist einzigartig und so sind auch unsere Arbeitsweisen. Aber lass uns mal einige dieser Skizzentechniken durchgehen.

Beispiel für eine eher saubere und schlanke Skizzenseite. von Mky
Beispiel einer eher sauberen und aufgeräumten Skizzenseite von Mky

3. Verliere dich nicht in den Details

Beim Skizzieren geht es darum, verschiedene Stile und Richtungen zu entdecken. An diesem Punkt solltest du dich nur auf die grobe Form des Logos konzentrieren. Bei einer einzigen Version hängenzubleiben und diese zu verfeinern, kann sich als große Zeitverschwendung herausstellen, da diese vielleicht gar nicht die beste Wahl ist. Du wirst in der nächsten Phase noch genügend Zeit haben, dich auf die Details zu konzentrieren!

4. Skizziere schnell

Wie ich gerade gesagt habe, besteht der beste Weg, sich nicht in den Details zu verlieren, darin, schnell zu skizzieren. Nicht so schnell, dass du gedankenlos jede Version überspringst, aber schnell genug, um alle Ideen aus deinem Kopf zu bekommen. Wenn du beim Skizzieren mit verschiedenen Versionen experimentierst, springen deine Gedanken von Idee zu Idee… also lasse sie genau das auch tun.

5. Skizzieren ist kein geradliniger Prozess

Apropos von Idee zu Idee springen: Es ist okay, eine Skizze nicht zu Ende zu bringen, wenn dir etwas Neues einfällt. Du kannst später immer noch zu ihr zurückkehren. Es ist kein Problem, vor- und zurückzugehen, nach links oder rechts und dann wieder zurück. Setze dir keine Grenzen, sondern lasse dir Raum, Neues zu entdecken.

6. Sei chaotisch

Eine der größten Sorgen unter Kreativen ist ein chaotisches Skizzenbuch. Aber weißt du was? Skizzenbücher (oder Photoshop- oder Procreate-Dateien) müssen chaotisch sein und keinen Sinn ergeben.

Meine Theorie ist, je chaotischer ein Skizzenbuch ist, umso klarer wird das Endergebnis sein. Der menschliche Verstand ist unglaublich abstrakt und wenn du ihm die nötige Freiheit gibst, chaotisch zu sein, wird er letzten Endes Klarheit finden. Dein Skizzenbuch gehört nur dir, also mach dir keine Sorgen, wenn es chaotisch ist!

Beispiel einer chaotischen und unsauberen Skizzenseite. von Mky
Beispiel einer chaotischen Skizzenseite von Mky

7. Arbeite noch nicht mit Farben

Ich weiß, dass Farben hübsch sind. Ich liebe sie auch. Aber Skizzen direkt farbig zu gestalten ist eher unproduktiv.

Wenn du etwas farbig gestaltest, muss dein Gehirn eine weitere Information verarbeiten. An dieser Stelle solltest du dich allerdings nur auf eine Sache konzentrieren: den grundsätzlichen Stil und die Form deines Logos. Farbe hat so viel Kraft und diese Kraft wird dich ablenken. Es gibt noch eine Phase, in der du dich ausschließlich mit Farben beschäftigen kannst.

8. Kritisiere deine Arbeit

Lerne, dein eigener Kritiker zu sein. Versuche, deine Skizzen objektiv zu betrachten. Schau noch einmal auf deine Stichwortliste und siehe nach, welche Skizze zu ihr passt und welche nicht.

Betrachte deine Skizzen unter technischen Gesichtspunkten. Frage dich: Welche Skizze passt am besten zum Projekt und warum? Welche passt nicht und warum nicht? Welcher Logotyp ist am leichtesten zu erkennen und welcher am schlechtesten? Würden deine Skizzen auch in kleineren Größen funktionieren? Ergeben sie für dieses Projekt Sinn? Sind sie anatomisch korrekt?

Die Betrachtung deiner Arbeit aus der Sicht eines Kritikers ist ein wichtiger Teil des Prozesses. von Mky
Deine Skizzen kritisch zu betrachten ist ein wichtiger Teil des Prozesses. Von Mky.

9. Es geht nicht darum, was dir persönlich gefällt

Sicher, am Ende des Tages wird alles, was du designst, durch deine eigenen Vorlieben gefiltert. Aber versuche, dich von den Versionen, die dir am besten gefallen, zu lösen und die Version zu finden, die am meisten Sinn für das Projekt macht. Versetze dich in die Lage des Kunden (und die Zielgruppe). Was würde ihnen gefallen?

Deine Logoskizzen wählen und fertigstellen

Wähle bis zu 3 Skizzen

Die Anzahl der präsentierten Skizzen variiert in der Regel von Vertrag zu Vertrag, aber 3 ist zumeist die magische Zahl. Du kannst auch mehr wählen, aber in einer idealen Welt würde das auch höhere Kosten bedeuten. Egal auf welche Anzahl du dich mit dem Kunden einigst, du musst sicherstellen, dass es klar und deutlich im Vertrag steht, um zusätzliche, unbezahlte Arbeit zu vermeiden.

Schau dir all deine Skizzen noch einmal an und denke dabei an die Anforderungen der Marke. Wähle die Skizzen, die am besten zum Thema des Projekts passen, basierend auf deinem Briefing, den Stichwörtern und der Recherche.

Erstelle eine vorzeigbare Skizze

Vergiss nicht, dass du zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Skizze präsentierst. Du musst allerdings wissen, dass nicht jeder Kunde in der Lage ist, eine grobe Skizze zu betrachten und sich das Endergebnis vorzustellen.

Bring deine Skizze also auf Hochglanz: Glätte ihre Umrisse, beseitige alle großen Unstimmigkeiten und gleiche die Abstände und Raster aus. Es muss nicht alles perfekt sein, deine Skizze muss nur nah genug am Endergebnis sein.

In dieser Phase kannst du noch in deinem Skizzen-Programm bleiben. Du musst die Skizze noch nicht in Illustrator übertragen – das machst du erst, nachdem der Skizze zugestimmt wurde.

Logoskizzen bereit zur Präsentation. von Mky
Diese Logoskizzen sind bereit, präsentiert zu werden. Von Mky.

Sei geduldig und offen für Feedback

Nun ist es an der Zeit, deine Logoskizzen zu präsentieren und Feedback zu sammeln.

Manchmal brauchen wir etwas Zeit, um Dinge zu verarbeiten, also hetze deinen Kunden nicht und lass ihm genügend Zeit mit den Skizzen. In dieser Phase kannst du auch Feedback bekommen und die Skizzen überarbeiten. Sei diesen Überarbeitungswünschen gegenüber offen, aber bereite dich darauf vor, deine eigene Arbeit und die Entscheidungen dahinter zu erläutern.

Apropos Überarbeitung. Du solltest sicherstellen, dass die Anzahl der Überarbeitungen klar und deutlich im Vertrag festgehalten ist. In der Regel sind 3 Überarbeitungen im Preis inbegriffen, aber das hängt stark vom ursprünglichen Budget, der Art des Projekts und der Art der Überarbeitung ab: Eine kleine Rundung an einer Form zu ändern ist nicht annähernd dasselbe, wie eine komplett neue Form zu zeichnen, also achte auf diese kleinen Details und versuche, zusätzliche, unbezahlte Arbeit zu vermeiden. Das klingt herausfordernd und beängstigend, aber nach ein paar Projekten wirst du den Dreh raushaben.

Du bist fertig mit dem Skizzieren – was kommt als Nächstes?

Sobald du mit deinen Logoskizzen fertig bist, ist es an der Zeit, sie in eine fertige Logodatei umzuwandeln, mit der man arbeiten kann. Lerne, wie das geht, indem du dieses Tutorial zur Erstellung eines Logos in Adobe Illustrator befolgst, um aus deiner Skizze ein Vektor-Logo zu machen.

Ein Logo zu skizzieren, macht super viel Spaß und ist gleichzeitig ein sehr ernster Prozess. Wenn man es genau betrachtet, ist dies der Schritt, der einem unglaublich viel Freiheit zum Experimentieren lässt und doch über das Ergebnis des gesamten Projekts entscheidet. Es ermöglicht dir, eine Bindung zu deinem Kunden aufzubauen, um ordentlich mit ihm arbeiten zu können und ein Konzept zu liefern, nach dem er gesucht hat.

Genieße den Prozess, denn alles dreht sich darum, mit Formen und Stilen zu spielen. Was willst du mehr?

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