Als COVID-19 über die Welt kam, fanden wir uns alle plötzlich in einer vorher unvorstellbaren Situation wieder: Scheinbar über Nacht wurde aus einer hektischen, trubeligen Welt mit persönlichen Kontakten eine Welt, in der wir zu Hause bleiben und versuchen mussten, unser gesamten Leben in die Enge unser 4 Wände zu pressen.

Um zu sehen, wie die Kreativen dieser Welt ihre Zeit zu Hause verbracht haben, haben wir einen Community-Wettbewerb gestartet und Designer gebeten, Postkarten zu illustrieren, die zeigen, wie sie ihre Zeit in Quarantäne verbracht haben. Jeder Beitrag zeigt sowohl den einzigartigen Stil der jeweiligen Designer als auch ihre Resilienz und Kreativität.

Postkartendesign "wish you were here"
Illustration von 99designs

Die vier Gewinner waren mit ihren Empfindungen während der Pandemie nicht allein. In unserem Bericht Design ohne Grenzen: Die Revolution der Freelancer haben wir mit mehr als 11.000 freiberuflichen Kreativen aus 147 verschiedenen Ländern gesprochen, die ähnliche Geschichten vom Leben und Arbeiten während des Lockdowns teilten.

Lerne nun vier internationale Designer kennen und schau dir ihre Postkarten und ihre persönlichen Einblicke in das Leben, Arbeiten und Designen während der COVID-Pandemie an.

Jen Se, Bosnia udn Herzegowina

Abbildung zeigt zwei Personen, die an einem Tisch sitzen, einen Laptop zwischen ihnen
Postkartendesign von Jen Se

Jen Se hat ihre Postkarte ihrem Bruder gewidmet, der im Ausland lebt. Dass sie in unterschiedlichen Ländern leben, hat dazu geführt, dass sie ihren Bruder über ein Jahr nicht gesehen hat und sie musste an das letzte Mal denken, als sie ihn persönlich traf. Während dieses Besuchs brachten sie sich gegenseitig auf den neuesten Stand, spielten Videospiele und hatten eine wunderbare Zeit miteinander.

Jen Se ist nicht die einzige Designerin, die es emotional belastet, nicht mit geliebten Personen zusammen sein zu können. Von den von uns interviewten Designern sagten 23 %, dass sie Probleme damit hatten, von ihren Freunden getrennt zu sein. Depression, Beklommenheit und Konzentrationsprobleme gehörten zu den gängigsten Erfahrungen während dieses Jahres.

Für Jen Se und andere Designer sind Social Media und Videokonferenzen ein Gottessegen während dieser einsamen Zeit.

In ihrer Postkarte ist zu sehen, wie sie mit ihrem Bruder per Videoanruf spricht. Sie nutzt zwei unterschiedliche Farbpaletten, um die physische Distanz zwischen den beiden nebeneinander sitzenden Personen zu symbolisieren.

Was mir Halt gegeben hat, war, mit meinen Liebsten in ein Landhaus zu fahren, die Welt der Pflanzen und Blumen zu entdecken und die Geduld für Bücher wiederzufinden, die ich schon immer mal lesen wollte.
- Jen Se

Sie sagt, wenn der Lockdown vorbei ist, wird sie es definitiv zu schätzen wissen, auszugehen und Freunde persönlich sehen zu können. Während der Pandemie hatte sie ein paar wenige Gelegenheiten, Freunde zu sehen, und konnte diese Gelegenheiten auf eine neue Weise wertschätzen, als diese nicht mehr regelmäßig und uneingeschränkt möglich waren.

Illia Kolesnyk, Ukraine

Illia Kolesnyks skurriles Postkartendesign zeigt seinen Tagesablauf während der Quarantäne, einschließlich seiner bettelnden Katze. Er sagt, das Thema, das er mit seinem Design erzeugen will, lautet „Wann hört es endlich auf?“.

halbflache Illustration einer Frau, die an einem Laptop sitzt, mit ihren Zehen tippt, während sie Kuchen isst und eine Katze abwehrt
Postkartendesign von Illia Kolesnyk

Viele Designer, die an unserer Befragung teilgenommen haben, haben sich dieselbe Frage gestellt. Sie haben sich auch gefragt, wie sie die richtige Work-Life-Balance finden können, nun, da sie dort arbeiten, wo sie leben, und dort leben, wo sie arbeiten. Dies führte zu einer weiteren großen Frage: Wie wichtig ist eine gesunde Work-Life-Balance und lohnt es sich, potenziell weniger zu verdienen, wenn man dafür mehr Zeit hat?

Für viele lautete die Antwort: Ja.

Ein Designer aus Brasilien sagte: „Mein Einkommen ist leicht gesunken, aber das war meine eigene Entscheidung. Ich gebe weniger Geld aus und kann mehr Zeit mit meinem einjährigen Sohn verbringen.“ Ein anderer Designer gab eine ähnliche Antwort und sagte, er würde lieber weniger verdienen und ausgeben, als jeden Tag zwei Stunden Arbeitsweg auf sich zu nehmen und zu versuchen, beruflich aufzusteigen.

In seiner Postkarte zeigt uns Illia Kolesnyk schonungslos, wie es aussieht, wenn man von zu Hause arbeitet. Er sagt: „Für eine gute Komposition und die richtige Stimmung, habe ich eine jammernde Katze hinzugefügt.“

Kreativität besteht nicht nur aus Zeichnen, sondern auch aus Denken. Wir sollten uns von allem um uns herum inspirieren lassen – seien es die Lichtreflexionen im Zimmer oder ein Kaffeefleck auf einer Serviette – und etwas Neues darin finden.
- Illia Kolesnyk

Er war auch unter den 50 % der Designer, die die Zeit gefunden haben, neben der Arbeit an persönlichen Projekten zu arbeiten. Er sagte uns, dass er gerne kreativ ist und dass dies sein Wellness-Ritual ist.

Fitriandhita, Indonesien

Auch wenn sich das Leben aufgrund der Pandemie für jeden von uns verändert hat, hat es sich für manche mehr verändert als für andere. Laut Fitriandhita hat sich ihr Leben nicht zu sehr verändert. Sie arbeitet weiterhin von zu Hause, begleitet von ihren Katzen und ihrer Familie.

Illustration einer Frau, die an einem Schreibtisch sitzt und auf einer Tafel zeichnet, während sie von Gegenständen, Katzen und einem Wal durch das Fenster umgeben ist
Postkartendesign von Fitriandhita
Ich genieße noch immer jeden Tag. Da ich jeden Tag mit meiner Familie verbringe, wird alles schon gut ausgehen.
- Fitriandhita

Fitriandhita sagt, dass sie Trost darin findet, mit ihren Liebsten zu arbeiten. Das war allerdings nicht für alle interviewten Designer der Fall.

21 % gaben an, dass es negative Auswirkungen auf ihre Kreativität hatte, dass während der Arbeit weitere Leute um sie herum waren, seien es Familienmitglieder, Mitbewohner oder andere Haushaltsmitglieder.

Außerdem sagten 48 % der Designer, dass sie sich zusätzlich um die Kinderbetreuung und Homeschooling kümmerten. Von der letztgenannten Kategorie gaben 24 % an, dass sie aufgrund ihrer zusätzlichen familiären Verpflichtungen weniger Stunden arbeiteten.

Aber es war nicht alles schlecht. Trotz der Herausforderungen einer neuen Arbeitsumgebung und mehr Verpflichtungen sagten uns 42 % der Designer, dass es einen positiven Einfluss auf ihre Kreativität hatte, andere während der Arbeit um sich zu haben. Und unter denjenigen, die zusätzliche familiäre Verpflichtungen hatten, sagten uns 48 %, dass es positive Auswirkungen auf sie hatte, sich zusätzlich um Homeschooling und Kinderbetreuung zu kümmern.

Wo auch immer wir sind, solange unsere Herzen und Gedanken gelassen sind und sich wohlfühlen und wir wir selbst sind, können wir alles durchstehen.
- Fitriandhita

Für Fitriandhita war es wichtig, sie selbst zu sein, um optimistisch zu bleiben. In ihrer Postkarte repräsentiert der Wal ein Gefühl von Freiheit und Gelassenheit.

Julius.Rendy, Indonesien

Illustration eines Designers, der an einem Laptop arbeitet, umgeben von Hühnern und Eierkisten
Postkartendesign von Julius.Rendy

Julius.Rendy ist ein erfahrener Profi mit sieben Jahren Designerfahrung. Doch den Großteil dieser sieben Jahre genoss er persönliche Interaktionen mit seinen Freunden und Arbeitskollegen. Nun, da er von zu Hause arbeitet, bestand die größte Veränderung darin, sich an das Alleinsein zu gewöhnen, umgeben von Kisten voller Eier und einem rein virtuellen Sozialleben.

Zeichnen und das Weiterentwickeln seiner Kreativität waren für Julius.Rendys Alltag und Gemütszustand essenziell. Er probierte während der Quarantäne sogar neue Zeichentechniken aus und experimentierte mit Formen, Texturen und dem Zeichnen von Menschen.

Das Verbessern von Fähigkeiten wurde während des Lockdowns sowohl für Designer als auch andere zum Zeitvertreib – in unserer Befragung gaben 81 % der Designer an, während der Pandemie eine neue berufliche Fähigkeit erlernt zu haben, verglichen mit 60 % im Jahr 2019.

Als die Pandemie losging, kam mein Traum vom eigenen Retouching-Studio zum Erliegen. Ich musste an meinen ursprünglichen Traum denken, Illustrator zu werden, und so traute ich mich mehr, meine wilde Vorstellungskraft zu entdecken und ihr freien Lauf zu lassen.
- Julius.Rendy

Julius.Rendy war nicht der einzige Designer, der seine Ziele aufgrund der Pandemie auf Eis legen musste. Von den neuen Designern sagten 65 %, dass sich ihr Fünfjahresplan wegen des Lockdowns geändert hat. Nur 17 % gaben an, dass sie innerhalb von fünf Jahren Vollzeit in einer Firma arbeiten wollen, wohingegen 49 % sagten, dass es ihr Ziel sei, freiberuflich in Vollzeit zu arbeiten.

Julius.Rendy bemühte sich, während des Lockdowns optimistisch zu bleiben.

Meine Botschaft an euch: Ich hoffe, diese Pandemie hält euch nicht davon ab, eure Vorsätze für dieses Jahr einzuhalten.
- Julius.Rendy

Er ist nicht der Einzige. Beinahe alle Designer (98 %) haben gesagt, dass sie die Zukunft der Designbranche in den nächsten zehn Jahren optimistisch betrachten, und 63 % sind extrem zuversichtlich, was ihren zukünftigen Erfolg angeht.

Ein Ausblick auf neue Perspektiven, neue Erfahrungen und neue Gelegenheiten

Einen Lockdown zu erleben hat uns alle verändert. Egal wo auf der Welt du dich befindest oder welchen Herausforderungen du während der Corona-Pandemie gegenüberstehst, du bist nicht mehr dieselbe Person, die du vor dem Shutdown warst. Und das ist gut so. Du bist gewachsen, hast ein neues Bewusstsein und Perspektiven entwickelt und während die Welt sich weiterdreht, drehst du dich mit ihr.

Viele Designer haben gesagt, dass der Onlinekontakt zu Freunden, Angehörigen und Gemeinschaften dringend benötigte Unterstützung bot. Tatsächlich gab fast ein Viertel der Befragten an, dass sie online neue Branchenkontakte geknüpft haben. Denke daran, während die Welt sich weiter erholt und heilt. Wir sitzen alle im selben Boot und gehen zusammen in Richtung Zukunft.

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