Wie alles Kreative benötigt ein erfolgreiches Design viele verschiedene Leute mit verschiedenen Talenten. Aber wie so oft verderben zu viele Köche den Brei. Deshalb beginnt gutes Design mit einem guten Design-Briefing. Eine einzelne, klare Anweisung, die alles vermittelt, was jemand über ein Projekt wissen muss.

A wall mural of many elements bearing the words “We are the generation”
Art mural von Ron | Graphics für Gustav Jonsson

Dies kann zunächst abschreckend wirken, deshalb haben wir diese einfache Anleitung zusammengestellt, die dir dabei hilft, ein umfassendes Design-Briefing zu erstellen. Kreativität ist chaotisch, aber sie ist es definitiv wert.  

Überblick

Hier ist ein grundsätzlicher Umriss, wie dein Briefing aussehen sollte. Es wird nicht für jedes Projekt gleich sein, also betrachte es als Ausgangsposition.

  • Projekttitel – Der Name deines Projekts. Sorgt für Übersicht bei mehreren Projekten, sowohl für Designer als auch Kunden.
  • Projektziel – Erläutert explizit, welches Ergebnis du dir vorstellst und was du erreichen willst.
  • Projektleistung – Was du benötigst, einschließlich Dateitypen und Informationen zu deiner geplanten Vertriebsmethode.
  • Projekt Deadline – Zu wann du die Projektleistung benötigst.
  • Projektbudget – Deine maximalen Ausgaben für dein Projekt.
  • Unternehmensname – Wer dein Unternehmen ist.
  • Hintergrund deines Unternehmens – Beschreibt kurz und knapp, was dein Unternehmen macht, und wichtiger noch, deine Markenpersönlichkeit.
  • Zielgruppe – Für wen dein Projekt ist.
  • Infos über Mitbewerber – Deine größten Mitbewerber und ähnliche erfolgreiche Projekte.
  • Stil-Vorlieben – Farbspezifikationen und Gesamtton, den du erzielen willst. Schreibe auch hinein, was du NICHT willst.
  • Referenzen – Eine Sammlung an Designs, die deinem Geschmack entsprechen.
  • Projekt Assets – Text, Logodateien, Archivbilder, bereits existierende Webseiten, die als Anregung für deinen Designer dienen.

Einfach, oder? Als Nächstes zeigen wir dir, wie du diese Sachen konkretisierst

Schritt 1: Leg los bevor du loslegst

Lege deinen Schwerpunkt fest

A dog detective logo for hound spy
Logo design von Vi.

Vielleicht hattest du gerade deine große Eröffnung, vielleicht hast du aber auch überall Franchises. So oder so, du hast alle möglichen kreativen Bedürfnisse, vom Texten bis zum Grafikdesign und darüber hinaus. Das alles in einem Projekt unterzubringen, wird für alle Beteiligten ziemlich erdrückend. Verschiedene Projekte erfordern verschiedene Fähigkeiten, Software, Planung und Recherchen. Bevor du also beginnst, stelle sicher, dass du genau weißt, welches Endergebnis du bei deinem Projekt erwartest.

Gehe deine Ressourcen durch

A monopoly man character illustration
Maskottchen Design von Snowkie

Bevor du das Briefing schreibst, erstelle eine Liste von Dingen, mit denen du arbeiten musst. Diese Dinge solltest du beachten:

  • Lege dein maximales Budget fest. Denk daran, dass dies mehr enthält, als nur den Designer zu bezahlen. Du musst auch für Drucker & Programmierer, Bilder, Lizenzen für Schriftarten und mehr zahlen.
  • Hab deinen Text zur Hand. Designer können Platzhalter verwenden, aber die genaue Wortanzahl hat Auswirkungen auf das Designlayout.
  • Mach deine Deadline klar, selbst wenn sie unrealistisch scheint. Du denkst vielleicht, du hast alle Zeit der Welt, aber es kann alles Mögliche passieren. Denk daran, dass weder du noch der Designer alles auf den letzten Drücker erledigen will.

Hol deine Werkzeuge

A cartoon of personified tools
Jedes Werkzeug hat seine Persönlichkeit und ein Projekt, zu dem es am besten passt. Illustartion von reep

Wenn du irgendwann das Design an den Drucker oder Programmierer schickst, warte nicht bis zum Schluss, um herauszufinden, was sie benötigen. Ruf sie an, um zu erfahren, was sie brauchen, und stelle sicher, dass du eine Liste mit den Dingen hast, die du brauchst (z. B. die genauen Produktmaße, Stanzkonturen, Dateitypen). Designer versuchen immer, möglichst Standarddateien zu liefern, aber diese werden nicht immer die gleichen sein, abhängig davon, wo du dein Design implementieren willst. Bestimmte Anwendungsfälle – zum Beispiel, ob das Design auf T-Shirts, Werbetafeln, im Web oder auf Smartphones verwendet wird – ist sind weiterer Weg, den Designern dabei zu helfen, die passenden Dateien zu erstellen.

Schritt 2: Lernt euch kennen

Über dich

An illustration of a stand-up comedian
Sie lachen mit dir, versprochen! Illustration von nasgort

Die Einleitung kann knifflig sein. Stell dir vor, du lernst jemanden auf einer Party kennen. Du sagst vielleicht hallo, sagst, wie du heißt, erzählst eine lustige persönliche Anekdote, aber du wirst hoffentlich nicht gleich deine ganze Lebensgeschichte auspacken.

Genau so ist es bei deinem Kreativ-Briefing…

Sei sehr genau darüber, worum es bei deinem Produkt/Service geht, aber erzähle nur den Teil der Hintergrundgeschichte, der auch wirklich relevant ist.

Das Wichtigste ist, dir zu überlegen, inwiefern diese Information zu deinem letztendlichen Ziel passt. Bist du ein brandneues Unternehmen, das bekannt werden will? Sorgst du dafür, dass etwas einfacher wird? Ermächtigt dein Produkt die Menschen auf eine bestimmte Art? Sorgst du dafür, dass die Menschen plötzlich Zugang zu etwas haben, zu dem sie vorher keinen hatten?

Kopiere NICHT einfach den „Über uns“-Absatz aus deiner Website.

Ein hilfreicher Tipp: Gib diesen Details eine persönliche Note. Was gefällt dir an dem, was dein Unternehmen macht? Vergiss nicht, Texte vermitteln harte Fakten, aber Design vermittelt Emotionen.

Über deine Zielgruppe

A series of flat design illustration showing different kinds of people
Business avatars von Bonographic für gvc3204

Manche Designer recherchieren lieber selbst, aber letztendlich kennst du deine Kunden am besten. Obwohl Statistiken wie Alter und Ort gut sind, solltest du tiefer ins Detail gehen. Gib den Kunden Gesichter und Namen. Stell dir vor, wir ihr Alltag aussieht und was ihre Interessen sind. Sobald du das näher bestimmt hast, bringe es in dein Projekt ein. Wie profitieren diese Leute außerhalb deines Produkts/Services von diesem speziellen Projekt?

Schritt 3: Bekomme ein Gefühl für Stil

Wirf ein Auge auf Mitbewerber

A logo design of a big fish swallowing a smaller fish
Logodesign von bo_rad

Deine Mitbewerber befinden sich im selben Haifischbecken, also kennst du mittlerweile ihre Tricks. Du kennst die Geschichte ihrer Marke, daher kann es dir einen guten Einblick in ihre Arbeitsweise geben, wenn du dir ihr Design genauer anschaust. Dies kann eine große Bereicherung für dein Design-Briefing sein.

Es ist wichtig, den Stil deiner Mitbewerber zu kennen, aber das bedeutet nicht, dass du sie nachahmen musst. Inwiefern unterscheidest du dich? Vielleicht bietest du einen ähnlichen Service, aber es geht dir um eine gehobenere Zielgruppe. Achte gleichzeitig darauf, was üblich und zu oft in deiner Branche vorkommt, um zu vermeiden, in den Hintergrund zu rücken.

Entdecke deinen Stil

A logo design showing a group of fashionable women
Speaking of Dresses Logodesign von SHANAshay für VCris

Dies ist der spaßige Teil – Nimm etwas Abstand von deinem Projekt, um deinen persönlichen Geschmack näher zu bestimmen. Das Internet ist voll mit großartigen Quellen für Designinspirationen, wie Dribble, Behance und deiner eigenen Pinterest-Seite. Wenn du einen bestimmten Designer im Sinn hast, schließe auch einige Designs aus ihrem Portfolio mit ein. Sammle so viele Beispiele wie möglich und finde heraus, welche genauen Designelemente du an ihnen magst. Welchen Stil haben sie alle gemeinsam?

Grafikdesign-Sprache verstehen

An illustration of a middle aged man dressed in a bloody fairy costume
Blood Fairy Illustration von treemouse für thebloodfairy

Dies ist der schwierige Teil – deine ästhetische Vorstellung in Worte zu verpacken, ist eine große Herausforderung für jemanden, der kein Künstler ist (und wenn wir ehrlich sind, auch für Künstler). Wir werden versuchen, es so schmerzlos wie möglich zu machen.

Neben den üblichen Fachbegriffen im Grafikdesign (es kann nicht schaden sie zu kennen), möchtest du letztendlich die Qualitäten, die du mit deiner Marke assoziiert haben möchtest, kommunizieren. Wie bei deiner Zielgruppe gilt, wenn dein Unternehmen eine Person wäre, was für eine Person wäre es? Überlege dir eine Liste mit Charaktereigenschaften, um sie zu beschreiben. Worüber tuscheln ihre „Freunde“, sobald sie den Raum verlassen hat?

Um dies mit dem Design zu verbinden, beginne mit einigen Designs, die du zuvor gesammelt hast. Was kannst du anhand des Designs über die Persönlichkeit des Unternehmens sagen, ohne es zu kennen? Rate anhand der einzelnen Designelemente, wie einer Serifen-Schrift oder einem gedeckten Farbschema, die diesen Eindruck in dir geweckt haben. Passt dieser Eindruck zu einer der Markeneigenschaften, die du zuvor notiert hast? Falls ja, ist dies eine tolle visuelle Referenz für Designer. Falls nicht, ist dies vielleicht nur ein Stil, den du persönlich magst und nicht relevant, aber eine gute Übung, um Design besser zu verstehen.

An app icon showing a superhero knocking out letters
App Icon von Akira X3 für imlabs

Zeit, sich um die tatsächlichen Wörter zu kümmern. Du hast zwei Ziele: Designern deine Markenpersönlichkeit zu beschreiben und dies mit deinem ästhetischen Stil zu verbinden. Wenn du zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorstellung von beidem hast, verweise auf die beiden oberen Schritte.

An illustration of a knight with a pencil as a sword and a letter as a shield
Sieh dich nur an, wie du diese Briefings bezwingst! Design von Art Astronaut für josephz7

Beginne mit den Schlagworten, die du für deine Marke aufgeschrieben hast, und stelle sicher, dass sie konkret sind. Adjektive wie „vintage“ oder „anspruchsvoll“ können hilfreich sein, aber sie sind sehr umfassend und können viel bedeuten. Wenn du dir nicht sicher bist, kann eine genauere Beschreibung helfen. „70er Vintage“ oder „nüchterne Ausgereiftheit“ sind klarer.

Wenn du Designreferenzen beifügst, beschreibe, was dir in Bezug auf deine Markenpersönlichkeit daran gefällt. Vergiss nicht, dass es viele Dinge gibt, die du an einem Design bewundern kannst, und wenn du es nicht näher beschreibst, orientieren sich Designer möglicherweise an einem Aspekt, den du gar nicht bemerkt hast oder der dich nicht interessiert hat.

Schritt 4: Bekomme Feedback

Los geht’s – dein Design-Briefing ist fertig und dein Projekt läuft. Doch was passiert dann? Dieser lästige Designer behauptet, das Ziel deines Projekts wär immer noch ziemlich undeutlich? Sie schlagen vor, dass du dein Design-Briefing, an dem du so hart gearbeitet hast, noch einmal überarbeitest.

Das ist normal. Bis zum Ende des Projekts (also bis das Ergebnis dorthin gesendet wurde, wohin es soll) ist nichts in Stein gemeißelt. In der Zwischenzeit sind Designer ein wertvolles, kreatives Gut, das mehr kann, als nur Designvorschläge rauszuhauen, also höre auf ihre Ratschläge. Du erfährst vielleicht sogar etwas über dein Projekt, das bisher nicht auf dem Plan stand. Das Wichtigste ist, nicht zu vergessen, dass der Kreativprozess auf Zusammenarbeit beruht.

An illustration of a group of people washing an elephant
Wie sagt man so schön? Es braucht ein ganzes Dorf, um einen Elefanten zu waschen. Das sagt man doch so, oder? Illustration von DashaMari

Keine Sorge, du schaffst das.

Die Wahrheit ist, dass ein schlechtes Briefing nicht immer über Erfolg und Misserfolg eines Projekts entscheidet. Manchmal stehen die Sterne günstig und das Schicksal bevorzugt das Nichtssagende. Manche Leute haben Glück und erhalten ein großartiges Design trotz lustlosem Briefing. Aber du bist nicht „manche“. Du bist Unternehmer. Du hast dich bisher auch nicht auf Glück verlassen, um so weit zu kommen, oder? Warum also jetzt damit anfangen?