Dein Unternehmen nimmt Fahrt auf und es ist an der Zeit, es mit einem Logo offiziell zu machen – großartig! Sofern dein Unternehmen nicht zufällig ein Designstudio ist, hast du dir vermutlich schon gedacht, dass man dies am besten den Profis überlässt. Also versuchst du nun, einen Grafikdesigner zu finden, der das perfekte Logo entwirft, das deine Marke und die Werte deines Unternehmens verkörpert.

Geometric fox logo
Fuchs Logo von adisign09

Du hast Glück: Es war noch nie einfacher, online einen Grafikdesigner zu finden.

Aber – ja, es gibt ein aber – es ist nicht so leicht, wie durch einen Instagram-Feed zu scrollen und mit einem Doppelklick deinen Favoriten auszuwählen.

Ironischerweise ist es gerade die schiere Menge an Online-Grafikdesignern, Portfolios und Design-Styles, die die Herausforderung darstellt. Es kann einem ganz schön Kopfzerbrechen bereiten, den passenden Grafikdesigner zu finden. Besonders für jene, deren Auge in Sachen Design untrainiert ist, können die Nuancen und Unterschiede schnell verloren gehen. Es ist ein bisschen wie in einer Parfümerie. Nach den ersten paar Düften funktioniert deine Nase so gut wie nicht mehr.

Doch kein Grund zur Sorge: Wir sind hier, um zu helfen. Es gibt einen cleveren Weg, einen Logodesigner zu wählen. (Tipp: Der Trick besteht darin, strukturiert zu sein und dich auf dein Bauchgefühl zu verlassen – manchmal.)

Bevor du dir Portfolios ansiehst

coffee cup
Schnapp dir einen Kaffeebecher (oder zwei oder drei) und lass uns anfangen! Becherdesign von Loveshugah.

Bevor du dich direkt in die Portfolios stürzt, beginne damit, deine Gedanken zu sammeln und aufzuschreiben. Es mag pedantisch klingen, aber ich verspreche dir, es lohnt sich, dies zu tun, bevor du dein Ziel aus den Augen verlierst, weil du zu viele Optionen hast (Erste-Welt-Probleme, ich weiß). Diese Notizen werden dein Äquivalent zu den frischen Kaffeebohnen in der Parfümerie sein – sehr nützlich, um deine überlasteten Sinne zurückzusetzen und dich auf das, was du erreichen willst, zu konzentrieren.

Beginne mit den logistischen Fragen:

  • Was ist dein Ziel? Ein einfacher Satz, was du erreichen willst, reicht.
  • Wie hoch ist dein Budget (und sei ehrlich)? Du wirst unvermeidlich auf Designs stoßen, die dein Herz höher schlagen lassen, aber außerhalb deiner Preisklasse sind. Daher ist es gut, sich darüber im Klaren zu sein, bevor du dich zu sehr verliebst.
  • Was ist der gewünschte Zeitrahmen? Gibt es irgendwelche Einschränkungen? Dies wird dir helfen, wenn du dir die Portfolios ansiehst, in denen die Designer erläutern, wie lange ähnliche Projekte gedauert haben.

Du kannst beispielsweise sagen „Ich möchte einen Designer engagieren, um ein Logo für meine Kaffee-App zu gestalten. Mein Budget liegt zwischen 450€ und 550€ und ich brauche es drei Wochen vor meiner Präsentation.“ Hervorragend.

Als nächstes, die Nutzer- und Design-Fragen:

  • Wer ist deine Zielgruppe oder dein Kunde? Was mögen sie? Wie alt sind sie, wo leben sie, was macht ihnen Spaß? (*hust* Kunden-Persona *hust*)
  • Welches Gefühl sollen sie haben, wenn sie mit deiner Marke interagieren?

Als Antwort darauf kannst du gern eine Liste mit Eigenschaften und Beschreibungen erstellen. Genauigkeit ist an dieser Stelle dein Freund. Es ist okay, diese Liste später nachzubessern, wenn du mehr Inspiration hast, aber es ist sehr hilfreich, sie zu haben. So kannst du später auf sie schauen, wenn du überfordert bist und vorübergehend vergessen hast, wonach du eigentlich suchst.

99designs bietet ein leicht verständliches Format, um deine Gedanken um die oben genannten Fragen herum zu strukturieren. Diese Übung gehört zu einer Reihe weiterer aufschlussreicher Aufgaben oder Fragen, die 99designs nutzt, um den Designstil zu ermitteln, nachdem du suchst. Alles, was du dafür benötigst, ist ein Blatt Papier und ein Stift.

Schreibe diese Eigenschaften so auf, dass sie sich auf einer Skala von 1 bis 5 gegenüberstehen:

brand traits 99designs

Auf welchen Punkt der Skala fällt deine Marke für die jeweilige Kategorie? Wahrscheinlich wirst du eher zu einer bestimmten Seite tendieren und wenn sie überall verteilt sind, ist das auch in Ordnung. Dann wird es vermutlich ein aufregendes Designprojekt!

Zwei sehr unterschiedliche Ansätze für ein Finanzunternehmen. Logo für Finanzunternehmen von KVA für Ankona Capital
Finanzlogo von ROCKER. für CENTsational Finance

Diese Übung ist nicht nur hilfreich, um organisiert zu bleiben, sondern auch, um dich auf den User zu konzentrieren. In der Regel ist deine persönliche Marke nicht dasselbe wie die Marke deines Unternehmens. Die Ausnahme ist, wenn du ein Promi bist und ein Unternehmen um deine Marke herum aufbaust (was wahrscheinlich nicht der Fall ist) oder du grundsätzlich eine gute Repräsentation deiner Zielgruppe bist. Während dein Bauchgefühl dir helfen kann, stelle sicher, dass es dich nicht zu sehr lenkt. Dein Design sollte deinem Unternehmen entsprechen und nicht nur deinem persönlichen Geschmack.

Wie man das Portfolio eines Designers evaluiert

Nun da du deine Notizen hast, lass uns mit dem spaßigen Teil beginnen: Portfolios anschauen.

Wenn du die Portfolios anschaust, solltest du sowohl die „absoluten“ als auch die „relativen“ Elemente in Betracht ziehen. Die absoluten Elemente haben mit den Fähigkeiten, der Erfahrung und der Professionalität zu tun. Bei den relativen Elementen geht es darum, wie gut der Stil des Designers zu deiner Marke passt und ob er das gewisse Etwas hat, das deine Vorstellung einfängt.

Ein Portfolio enthält die visuelle Arbeit und die Story dahinter – beides ist wahnsinnig wichtig.

Wie es aussieht

Was das Anschauungsmaterial betrifft, schaue dir zunächst an, wie das Portfolio insgesamt aussieht. Gibt es ein zusammenhängendes Motiv und Gespür für die Arbeit? Wie einzigartig ist jedes Stück?

Ich habe festgestellt, dass die besten Portfolios eine gute Balance zwischen beidem schaffen: Während eine bestimmte Sichtweise sich durch das gesamte Portfolio zieht, ist jede Arbeit normalerweise für einen anderen Kunden entstanden, also sollte es eine gewisse Bandbreite vorweisen. Wenn die Arbeit zu homogen ist, kann es ein Zeichen dafür sein, dass die Fähigkeiten des Designers ein wenig begrenzt sind.

Während du dir jedes Stück ansiehst, kann es hilfreich sein, das richtige Vokabular zur Hand zu haben, um die Designelemente zu beschreiben:

  • Farbe: warm oder kalt? Stehen sie im Gegensatz zueinander? (Tipp: Sieh dir unseren Artikel zu Logofarben und ihrer Bedeutung an)
  • Linien: dünn und elegant oder dick und verspielt?
  • Textur: flach und modern oder dreidimensional und aufwendiger?
  • Form: einfaches Dreieck oder Quadrat oder einzigartig und ausgefeilter? Fall es mehr als eine Form gibt, wie interagieren sie miteinander?
  • Abstand: hat es Platz zum Atmen (normalerweise gut) oder ist es kompakt?
  • Typografie: klassisch (das ewig präsente Helvetica) oder aufregender? Funktionieren die unterschiedlichen Font-Familien gut zusammen?
Gaga Vastard design portfolio
gaga vastards Portfolio auf 99designs

Schau dir als Übung den Schnappschuss von gaga vastards Portfolio an. Nimm dir einen Moment, um es zu betrachten und beschreibe deine Gedanken mithilfe der obigen Worte und Kategorien. Ich wette, dass du schnell merken wirst, dass gesunder Menschenverstand reicht, sobald du das richtige Vokabular zur Hand hast. Du erkennst vermutlich bereits die straffe Sichtweise des Designers und womit sich dieser Designer wohl fühlt: Er liebt Schwarzweiß und nutzt Farbe nur spärlich, sein Design ist modern, anspruchsvoll, ordentlich (man mag auch minimalistisch sagen). Er gibt dem Design jede Menge Raum zum Atmen und bevorzugt organische, innovative Formen. Nimm auch die Unterschiede und Bandbreite zur Kenntnis: Der Designer hat scheinbar weder mit flachen noch mit dreidimensionalen Formen ein Problem, spielt mit verschiedenen Linien, von papierdünn bis fett, je nach Thema und weiß, welche Typografie zu welchem Logo passt.

Während du dir verschiedene Portfolios ansiehst, wirst du immer besser darin werden, die Bilder in Worte zu übersetzen. Alles läuft im Wesentlichen auf zwei Schritte hinaus: Beschreibe zunächst, was du siehst—vielleicht einfach mit den ersten 5 Worten, die dir in den Sinn kommen. Habe nicht das Gefühl, jedes Portfolio zu sehr analysieren zu müssen. Als Zweites vergleiche dies mit dem, was du in deiner Skala aufgeschrieben hast. Wenn du deine Marke beispielsweise als professionell, sorgfältig geplant und etabliert beschrieben hast, solltest du dich eher auf die kühleren Farbtöne, einfacheren Formen, dünnen Linien und klassische Typografie konzentrieren.

Bonuspunkte gibt es, wenn du dir neben dem Inhalt auch ansiehst, wie die Seite des Online-Portfolios gestaltet ist:

  • Lässt sie sich leicht navigieren? Ist sie auf eine Art strukturiert, die Sinn ergibt?
  • Hat der Designer die Seite für das Online-Portfolio selbst erstellt oder ist es ein Template? Es ist sicher nicht erforderlich, dass er sie selbst erstellt hat, aber es verrät viel über seine technischen Fähigkeiten, für den Fall, dass du einen vielseitigen Designer suchst.

Wie es sich liest

Ein Design-Portfolio ist nicht nur eine Ansammlung von Bildern. Es ist eine Sammlung von Lösungen, für ganz bestimmte und einzigartige Designprobleme. Während das Anschauungsmaterial wichtig ist und naturgemäß zuerst unsere Aufmerksamkeit erregt, ist der kreative Weg, der dorthin geführt hat, der Schlüssel.

words-matter
Posterdesign von diwaz für Carrielou

Achte auf Folgendes:

  • Beschreibt der Designer sorgfältig das Problem und Ziel des Projekts?
  • Hast du das Gefühl, er kann sich in den Kunden hineindenken und verfolgt einen Nutzer-zentrierten Ansatz?
  • Sagt er, wie das Feedback des Kunden während des Prozesses eingebracht wurde?
  • Lässt sich im kreativen Prozess eine systematische, schrittweise Methodik erkennen? Zeigen sich gute Projekt-Management-Skills?
  • Wie viel davon hat der Designer gemacht? Hüte dich vor großen Projekten, bei den die Chance groß ist, dass der Designer nicht alles selbst gemacht hat. Vielleicht hat er dieses eine Logo, in das du dich so verliebt hast, nicht vollkommen alleine kreiert.
  • Welche Arbeiten sind echt? (d.h. für einen echten Kunden entworfen)? Je mehr „echte“ Designs es gibt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Designer Erfahrung darin hat, mit Kunden zusammenzuarbeiten und echte Probleme zu lösen. Die “Unechten“ können auch interessant sein, da sie die persönliche Leidenschaft des Designers zeigen und einen Hinweis darauf geben, was er für seine wahre Stärke hält.
bodybalance
Logodesign von thedani für Bodybalance

Wenn du wirklich gut darin werden willst, fordere dich selbst in einem kleinen Test heraus: Sieh dir zuerst das Logo an und rate, was es darstellen sollte: Welche Branche oder welches Produkt repräsentiert es, welche Werte verkörpert es, welche Gefühle erzeugt es? Lies dann die Beschreibung des Designers (oder, wenn du auf 99designs bist, das Briefing des Kunden, in dem er die Voraussetzungen beschreibt) und schau dir an, inwiefern beides zusammenpasst. Wenn du falsch geraten hast, kann es durchaus der Fehler des Designers sein, weil er die Bedürfnisse des Kunden nicht richtig interpretiert hat. Wenn es aber als Gewinner ausgewählt wurde, kannst auch du falsch gelegen haben. Das ist in Ordnung, du wirst besser darin werden.

Probiere es am Bodybalance-Logo oben aus, dann schau dir an, wie gut der Designer die Anforderungen des Kunden getroffen hat.

Deinen Designer wählen

Wenn du diesen Kriterien folgst, solltest du in der Lage sein, dich auf eine kleine Liste von Finalisten festzulegen. Also nein, du bist leider noch nicht fertig. Wenn du deinen favorisierten Designer kontaktierst, um ihn zu einem Gespräch einzuladen, bitte ihn, dir seinen Lebenslauf zu schicken, damit du ein besseres Gefühl dafür bekommst, welche Erfahrung er hat. Jahrelange Arbeit machen nicht unbedingt einen guten Designer aus, aber sie sind ein guter Indikator und es hilft immer, etwas Kontext zu haben, bevor du loslegst.

Während des Interviews, ob du es nun persönlich, am Telefon oder per E-Mail führst, solltest du versuchen zu verstehen, wie der Designer arbeitet und sein Interesse und seine Gedanken zu deinem Angebot einschätzen. Betrachte es wie ein erstes Date: Passt ihr zwei zusammen? Sobald klar ist, dass dem so ist, ist es an der Zeit, den Deal unter Dach und Fach zu bringen. Mit anderen Worten, besprich deine Erwartungen bezüglich des Zeitraums, Feedbacks, wie oft ihr miteinander kommunizieren wollt, Anzahl der Überarbeitungen etc.

awesome beer labels
Sobald du einen guten Grafikdesigner gefunden hast, kannst du mit ihm zusammenarbeiten, um noch mehr tolle Bilder für dein Unternehmen zu kreieren. Bieretiketten von Martis Lupus für Fabryka Piwa.

Das Portfolio ist ein guter Start, aber versichere dich auch, dass ihr die gleichen Ziele habt. Wenn du nach einem Logodesigner suchst, ist die Chance recht hoch, dass dies nur der Beginn der Designarbeiten für dein Unternehmen ist. Sei bei diesem Teil sorgfältig und du bekommst nicht nur ein schickes Logo, sondern etablierst auch eine Beziehung zu einem großartigen Designer, der nun deine Marke versteht und auf lange Sicht wunderschöne und verlässliche Ergebnisse liefern kann.