Jeder Designer, der sein Geld wert ist, weiß, dass Branding weit mehr als nur ein Logo ist. Bei deinen Kunden wird dies allerdings nicht immer so sein, da einigen von ihnen nicht bewusst ist, wie sehr ein Branding-Schema die Wahrnehmung ihrer Firma beeinflusst. Als Designer ist es eine deiner Aufgaben, dies jedem einzelnen deiner Kunden zu vermitteln.  

Wenn du also mit der Aufgabe beginnst, nur ein Logo zu entwerfen, ist es eine gute Idee, direkt einen Style Guide mitzuliefern. Nicht nur wird es deinem Kunden helfen zu verstehen, wie Design jeden Aspekt ihrer zu übermittelnden Werte betrifft, sondern es wird deine Arbeit auch eindrucksvoller erscheinen lassen.

Das Gute an einem Style Guide ist, dass er nicht in ein vorgeschriebenes Muster gepresst werden muss – du kannst deiner Kreativität freien Lauf lassen und ihn in einem Maß gestalten, der für das Projekt sinnvoll ist. Es gibt Style Guide, die nur kurze, einseitige Zusammenfassungen sind und solche, die ein ganzes Buch darstellen. Egal wie detailliert sie auch sind, es gibt drei wesentliche Dinge, die enthalten sein müssen:

  1. Kontext und Inspiration
  2. Logoverwendung
  3. Markenwerte

Hier sind ein paar Mittel, mit denen Designer diese Dinge in ihren Style Guide eingearbeitet haben:

1. Kontext und Inspiration

Bei den effektivsten Style Guides ist es am besten, mit einer visionären Aussage zu beginnen. Egal ob du das in Textform oder durch Bildsprache machst. Es geht darum, die Vorstellung des Kunden anzuregen, bevor du in die schmutzigen Details deiner Arbeit gehst.

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É Sopa! von Igres Leandro

Grundsätzlich kann diese Technik so aussehen, dass der Designer über sein Verständnis des Marketinganspruchs der Marke und/oder seinen Gedankenprozess hinter der Designstrategie schreibt. Der Schlüssel zu dieser Vorgehensweise ist es, keinen Roman zu schreiben. Du benötigst nur einen oder zwei Abschnitte, um deinen Standpunkt zu kommunizieren.

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Ein noch schnellerer Weg, dies zu erreichen ist, eine Liste deiner Inspirationen für dein Design, egal ob du sie direkt durch das Briefing oder während des Brainstormings bekommen hast, anzufertigen. Oftmals wirst du dir selbst gar nicht viele davon ausdenken müssen, da der Kunde mit einer grundsätzlichen Idee zu dir kommen wird, wie er seine Marke gedeutet haben möchte.

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Wenn du dich für einen längeren Style Guide entscheidest und Platz hast, füge einige der Bilder, die dich während deiner Recherche für das Design inspiriert haben, bei! Es ist ganz einfach und ästhetisch und kann Klarheit über den Stil, den du mit deiner Markenidentität erreichen willst, schaffen.

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Für das entsprechende Design, kannst du diese einfache Logo-Formel erstellen, um deine Aussage zu veranschaulichen. Dies ist eine nette Möglichkeit zu erklären, wie du an das entsprechende Designproblem herangegangen bist.

2. Logoverwendung

Das Logo wird das Herzstück deines Style Guides. Was auch immer du hier anbietest, dient nur zur Unterstützung deines präsentierten Logos. Du musst also zeigen, wie dein Logo für jedes Szenario geeignet ist – welche Veränderungen an ihm vorgenommen und nicht vorgenommen werden sollten, um eine einheitliche Botschaft, quer über alle Kanäle zu verbreiten.

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Wenn dein Logo Text enthält, besonders wenn es originelle Typography ist, ist der Style Guide eine sehr gute Möglichkeit, Regeln festzulegen, wie diese Schrift zu verwenden ist. Es wird dabei helfen sicherzustellen, dass der Kunde die Details versteht (selbst wenn er das genaue Vokabular nicht kennt): Ligatur, Unterschneidung, der grundsätzliche Verlauf von Kontur und Ausrichtung.

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Wenn es von deinem Logo mehr als eine Version gibt, stelle sicher, das auch zu zeigen! Wir sehen das oft, besonders wenn ein Logo zeichenbasiert oder besonders detailliert ist. Verschiedene Versionen eines Designs, die alle zusammen nahtlos in verschiedenen Zusammenhängen funktionieren, sehen sehr gut in einem Style Guide aus. Es ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, dem Kunden dabei zu helfen, zu verstehen, wann welches Logo am besten verwendet wird.

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Ein Detail, das unerlässlich aber leicht zu übersehen ist (besonders von einem Kunden, der es ungewohnt ist, mit Design zu arbeiten), ist die weiße Fläche um ein Logo herum. Wenn das Logo zu nah an Text oder Bildern ist, wird die Zielgruppe niemals in der Lage sein, es zu lesen. Stelle also sicher, dass die Kunden entsprechend verstehen, wie viel Platz um ein Logo herum sein muss.

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Eine weitere Technik, die du anwenden kannst, wenn du genug Platz hast, ist zu zeigen, wie man normalerweise Text anwendet und wie nicht. Auf diese Art gibt es keine Verwirrung. Es ist klar und deutlich.

3. Markenwerte

Abgesehen von Logo Design und Verwendung, erläutert der Style Guide die Markenwerte für einen Kunden. Somit gibt es, unabhängig davon ob du oder ein anderer Designer ein weiteres Design für die Firma vornimmt, klare Regeln, nach denen man arbeiten kann. Dies ist das Rückgrat größerer Branding-Bemühungen.

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Typografie! Der Kunde soll verstehen, worum es dabei geht, egal ob du deine eigene Schriftart entwickelt oder eine bereits vorhandene, lizensierte Schriftart verwendet hast. Neben dem Hinweis, wie die Schriftart heißt, ist es hilfreich, den Schriftzug in der Schriftart auszuschreiben. Insbesondere, wenn du mehr als eine Schriftart in verschiedenen Zusammenhängen verbindest – zum Beispiel Überschrift kontra Mengentext.

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Farbe ist ebenfalls entscheidend. Stelle sicher, dass du die RGB, CMYK, Pantone und HEX Codes für alle Farben, die du verwendest, einfügst. Du kannst sogar die Farbkarte in primär, sekundär und teritär aufteilen, abhängig davon, wie komplex das Farbschema ist. Das kostet dich nicht viel Zeit und wird dem Kunden helfen, Farben bei weiteren Branding-Aufgaben, von Druck bis Web, schnell und einfach anzupasssen.  

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Pom Pom von Reynolds und Reyner

Hier ist eine sogar noch detailliertere Version eines Farbschemas. Mit einem längeren Style Guide, kannst du verschiedene Schattierungen innerhalb deiner verwendeten Farbtöne darstellen.

4. Extra Tipp: Benutze Beispiele

Wir wissen, wir haben gesagt, dass es nur drei Dinge gibt, die du unbedingt haben musst. Aber es gibt noch einige Ergänzungen, die dabei helfen, deinen Style Guide noch besser zu machen! Die wichtigste ist, Kontext für deine Marke zu schaffen.

Zeige einem Kunden, wie das Logo gedruckt oder im Web aussehen würde. Und falls du nicht dafür bezahlt wirst, Briefpapier oder Webseiten für das Projekt zu gestalten, kannst du eine Mustervorlage verwenden, auf der du das Design darstellst. Es geht hier nicht darum, das perfekte Design zu finden, sondern dem Kunden dabei zu helfen, sich sein umfangreicheres Branding-Schema vorzustellen.

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Paulina Aranda-Mena von Menta .

Druckgestaltung ist einer der Hauptwege, dies zu tun. Versuche dein Design auf Visitenkarten, Briefpapier, Broschüren, Speisekarten oder anderen druckbasierten Dingen abzubilden.

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Die andere, einfache Option ist, bildlich zu werden. Wenn du für eine Firma arbeitest, die bereits eine Website hat, baue das neue Logo dort ein. Falls nicht, zeige ihnen, wie es auf einer einfachen Website aussehen würde. Oder in einer App.

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Unser finaler Tipp wäre, hin und wieder etwas Unerwartetes zu tun. Das Beispiel oben ist für ein Restaurant und wir sehen, wie das Design auf einem Bierdeckel aussehen würde. Es ist nicht das erste, was einem bei einer Marke dieser Art in den Sinn kommen würde, aber es ist anders, als viele Modelle, die wir so gesehen haben.

Was habt ihr noch für Tipps, um einen großartigen Style Guide zu gestalten? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!