Design Thinking umschreibt, inwiefern Design oder genauer genommen Innovation auf durchdachter Strategie, dem Willen, Menschen zu helfen, und einer ganzheitlichen Mentalität basieren.

illustration was ist design thinking
Was ist Design Thinking und wie funktioniert es? Illustration von OrangeCrush.

Um funktionierende Ergebnisse zu erzielen, müssen Designer und ihre Kunden auf das setzen, was sie kontrollieren können – im Gegensatz zu Talent oder guten Geschmack. Und wie sie über Design denken ist etwas, das sie kontrollieren können. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Design Thinking funktioniert und wie du es auf dein Projekt anwenden kannst. Und bevor du dich versiehst, wirst du Design Thinking nutzen, ohne darüber nachzudenken.

Was bedeutet Design Thinking?

Design Thinking, manchmal auch als Human-Centered Design bezeichnet, ist sowohl eine Philosophie als auch ein strategischer Ansatz: Es ist eine Art, Design als Lösung für bestimmte menschliche Probleme zu nutzen, und ein bestimmter Prozess, der zu kreativer Innovation führt.

Der Prozess des Denkens und Lösens eines Problems
Illustration des Problemlösungsprozesses. Von fritzR

Gleichzeitig ist Design Thinking buchstäblich eine Geisteshaltung und es auf eine einzelne Definition festzunageln, verfehlt in vielerlei Hinsicht seinen Zweck. Das Wichtigste dabei ist, dass Design Thinking sich bei jedem Schritt des Designprozesses damit beschäftigt, wie Design das Leben des Kunden praktisch verbessert. Kurz gesagt bedeutet Design Thinking, wirklich wie ein Kunde zu denken.

Der Begriff wurde bekannt durch IDEO und dessen CEO Tim Brown, auch wenn sie darauf beharren, dass das Konzept größer ist als jede Agentur oder Person. Gleichzeitig beschränkt es sich nicht nur auf Design, sondern kann auf alle möglichen Branchen und selbst persönliche Lebensziele angewandt werden. Wichtig ist, dass Design Thinking dazu genutzt wird, dort Lösungen zu kreieren, wo sie gebraucht werden.

Der Zweck von Design Thinking

Innovativ sein

Innovation ist das Hauptziel von Design Thinking. Die Idee dahinter ist, dass Innovation nicht aus Ästhetik oder dem allgemeinen technischen Fortschritt entsteht: Wahre Innovation muss einem Zweck dienen und eine Lücke füllen, selbst eine, der man sich nicht bewusst ist. Statt Innovation subjektiven Faktoren wie Glück oder gutem Geschmack zu überlassen, bietet Design Thinking messbare Möglichkeiten, um sie zu erreichen.

Illustration verschiedener Nutzer-Avatare
Von Nandatama

Sich auf den Nutzer konzentrieren

Auch wenn es offensichtlich scheinen mag, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – schließlich ist der Sinn eines Designs, dass Menschen es benutzen – lassen sich Designer zu häufig von ihren eigenen Annahmen und vergangenen Erfahrungen leiten. Denn sie sind selbstverständlich auch nur Menschen.

Design Thinking ist lediglich eine Orientierungshilfe, um den Endnutzer in den Mittelpunkt des Designprozesses zu stellen, denn dort gehört er hin.

Probleme lösen

Design Thinking konzentriert sich darauf, Lösungen für bestimmte Probleme zu liefern. Dies setzt ein tiefes Verständnis von Problemen und ihren Ursachen voraus und geht in gewisser Weise auch darüber hinaus, was die Kunden selbst als Problem beschreiben. Design Thinking setzt stattdessen auf klare Beobachtung und kritische Analyse des Problems und darauf, wie Design als Lösung fungieren kann.

Produktion optimieren

Wie viele standardisierte Produktionsprozesse erhöht Design Thinking zudem die Effizienz durch klare, fokussierte Richtlinien. Es gibt Designern Schritte vor, die diese befolgen können, und zeigt, wie Erfolg bewertet werden kann. Dadurch können Designer „schneller scheitern“ und Dinge neu überarbeiten.

Die Fünf Stufen des Design Thinking-Prozesses

Der Design Thinking-Prozess bietet eine Reihe zuverlässiger Schritte, denen Designer während ihres Projekts folgen können. Da Design Thinking auch eine Denkweise ist, sollte man es weniger als Anleitung und mehr als lose Richtlinie betrachten. Es gibt keinen richtigen Weg, um jeden Schritt auszuführen und jeder Schritt kann nach Bedarf wiederholt oder außerhalb der Reihenfolge durchgeführt werden.

1. Mitgefühl zeigen

Human-Centered-Design hängt von der Fähigkeit des Designers ab, Kunden zu beobachten und zu verstehen. Während Zielgruppenanalyse zum Standardrepertoire von Vermarktern gehört, sind Designer die Mediatoren zwischen Kunden und ihren Beschwerden. Ohne Einblick in beides, tappt ein Designer im Dunkeln.

Illustration von zwei Kindern, die Hände halten
Von TP Art

Wie bekommt ein Designer nun diesen Einblick? Auch wenn Marktforschung grundlegende demografische Informationen liefern kann, müssen Designer Kunden in einer realen Umgebung beobachten, zum Beispiel bei einem aufgezeichneten Nutzertest und A/B-Tests. Noch besser sind offene Nutzertests, bei denen der Nutzer nicht weiß, dass er beobachtet wird, da diese zu ehrlicheren Ergebnissen führen können.

Nach der Beobachtung muss die Empathie folgen, bei der der Designer Emotionen nutzt, um interpretieren und verstehen zu können, was er sieht. Der Schlüssel zu Empathie ist die Abwesenheit von Voreingenommenheit – der Designer muss bei der Beobachtung eines Kunden seine eigenen Annahmen zurückstellen. Der Kontext kann hier hilfreich sein, um zu verstehen, wie Probleme in das tägliche Leben einer Person passen. UX-Designer verwenden oft User Personas, um Kunden als tatsächliche Personen außerhalb ihrer Beziehung zum Produkt zu identifizieren.

2. Definieren

Damit der Mensch im Mittelpunkt steht, muss Design Thinking das Ziel haben, echte Probleme realer Menschen zu lösen. Das bedeutet, dass ein Problem zuerst als klare und präzise Problemstellung definiert werden muss. Dies gibt Designern ein greifbares Ziel und die Möglichkeit, Erfolg und Misserfolg zu bewerten.

Logo design einer eule mit lupe
Von lemahijo

Aber ein Problem zu definieren, kann ein Problem an und für sich sein. Die Probleme, denen Nutzer gegenüberstehen, sind häufig komplex und beinhalten andere Probleme, die gleichzeitig auftreten – mit anderen Worten Symptome eines größeren Problems. Designer müssen über diese Symptome hinausgehen, um die zugrunde liegenden Ursachen zu finden.

Eine wichtige Technik dafür ist die „5-Why-Methode“, bei der man ein Problem darstellt und die Frage „Warum?“ mehrmals wiederholt, um herauszufinden, was schiefgelaufen ist.

Eine Problemstellung identifiziert die Grenze zwischen der aktuellen Realität und der idealen Zukunft. Eine Problemstellung muss nicht nur akkurat und anschaulich sein, sondern auch umsetzbar. Das bedeutet, die Schuld sollte nicht bei Faktoren liegen, die der Designer nicht kontrollieren kann, zum Beispiel dass der Tag nicht genügend Stunden hat. Gleichzeitig müssen Designer es vermeiden, zu schnell zu einer Lösung kommen zu wollen. Die Versuchung ist groß, bereits in dieser Phase Ideen entwickeln zu wollen, durch die sich das Problem lösen lässt, aber voreilige Lösungen können das Verständnis für das Problem verwässern.

3. Ideenfindung

Die Ideenfindung ist die Phase, in der du/dein Team Lösungen für die Problemstellung entwickelst. Du solltest dir so viele Möglichkeiten wie möglich überlegen, anstatt dich für deine erste Idee zu entscheiden, die in der Regel die einfallsloseste ist. Es ist auch wichtig, dass du jede Idee dokumentierst, selbst die, bei denen du dir sicher bist, dass sie nicht funktionieren werden.

Logo-Design eines Froschs, der auf einem Hocker denkt
Von Ehsan Mehranvari

Es gibt mehrere Techniken, um auf Ideen zu kommen. Zu den beliebtesten gehören Brainstorming in der Gruppe, das Erstellen einer Mindmap, Rollenspiele, Skizzieren und sogar das Erstellen einer einfachen Liste. Die Kunden selbst teilen in der Regel sehr gern ihre eigenen Lösungsvorschläge für mangelhafte Produkte in den sozialen Medien und Foren und diese sind eine absolut legitime Quelle für die Ideenfindung.

Sobald du ein paar gute Ideen hast, solltest du sie in „Ja“, „Nein“ und „Vielleicht“-Stapel aufteilen. Hab deine Ideen immer griffbereit, da du im nächsten Schritt möglicherweise Alternativen ausprobieren musst.

4. Prototyp erstellen

Ein Prototyp ist eine schnell erstellte, auf das Wesentlich beschränkte Testversion des fertigen Produkts. Die Prototyp-Phase kannst du als eine praktischere Version des vorherigen Schritts ansehen.

Maskottchenillustration eines Erfinderhasen
Von sSpark

Wie bei der Ideenfindung solltest du mehrere Prototypen erstellen und das schnell, damit du über Optionen verfügst und herausfindest, ob deine Ideen Hand und Fuß haben.

Prototypen sind wichtig, da sie es dir ermöglichen, die Lösung zu entwerfen und zu sehen, wie sie funktioniert, ohne Zeit und Geld in die Entwicklung eines fertigen Produkts investieren zu müssen. Dies voreilig zu tun ist sehr wahrscheinlich Ressourcenverschwendung, da viele Ideen, die auf dem Papier gut klingen, in der Praxis nicht gut sind.

Um einen Prototypen zu erstellen, kannst du eine Reihe von Hilfsmitteln nutzen, von Stift und Papier bis hin zu Software. Wichtig ist, dass du in möglichst kurzer Zeit eine ausreichend genaue Darstellung der Funktionsweise des Produkts erstellen kannst.

5. Testen

Beim Testen wird dein Prototyp (oder in manchen Fällen ein fertiges Produkt) einem echten Nutzer präsentiert, um herauszufinden, wie gut du sein Problem gelöst hast. Diese Phase ist in vielerlei Hinsicht ein Mikrokosmos des gesamten Design Thinking-Prozesses: Du musst Empathie aufbringen, während du die Testteilnehmer beobachtest, die Probleme, denen sie begegnen, neu definieren, dir noch mehr Ideen und Prototypen und sogar noch mehr Lösungen überlegen und wieder testen.

Stilisierte Darstellung von Wissenschaftlern bei der Arbeit
Von Natalia Maca

Außerdem musst du aussagekräftiges Feedback sammeln. Mit „aussagekräftig“ meinen wir, dass du entscheiden musst, ob das Feedback individuelle Vorlieben repräsentiert oder ein Problem, das viele Menschen teilen. Dazu musst du die Tests mit vielen verschiedenen Leuten durchführen.

Beim Testen gibt es in der Regel einen Moderator, der die Tests anleitet und die Ergebnisse aufzeichnet. Übliche Nutzertests sind Fokusgruppen, Umfragen und Heat Maps. Darüber hinaus sind A/B-Tests eine hervorragende Möglichkeit, um leicht unterschiedliche Versionen ähnlicher Designs auszuprobieren und so zum bestmöglichen Ergebnis zu gelangen.

Design Thinking ist nur der Anfang

Design Thinking ist ein Prozess, um kreative Innovation zu schaffen, indem man sich auf die Bedürfnisse des Nutzers konzentriert. Aber Design Thinking allein bringt keine Innovation hervor. Letzten Endes ist es ein Fahrplan und um das Ziel zu erreichen, kommt es auf den Designer an. Es handelt sich auch weniger um eine klare Anleitung und mehr um einen fortlaufenden Prozess, der Übung, Wiederholung und Hingabe erfordert.

Wenn du wirklich engagiert daran arbeitest, ein tolles Produkt zu entwickeln, wirst du Design Thinking und einen hervorragenden Designer benötigen.

Du bist auf der Suche nach einem großartigen Designer für dein nächstes Projekt?
Unsere Designer sind für dich da!