In der Kreativwelt gibt es so viele ähnlich klingelnde Funktionen (Creative Director, Design Director, Creative Lead, Projektmanager, Visual Designer, Produktionsdesigner… usw.), dass einem ganz schwindelig werden kann.

Von allen Funktionen in der Kreativwelt ist die des Art Directors eine besonders wichtige, aber es ist auch eine Funktion, die sehr geheimnisumwoben ist. Sofern du nicht als Art Director arbeitest, hast du wahrscheinlich keine Ahnung, was wir genau machen. (Führen wir Regie bei Filmen über Kunst? Leiten wir Künstler beim Kreieren neuer Dinge an? Was bedeutet Art Direction überhaupt?!)

Lass uns dieses Mysterium ein für alle mal aufklären. Ich bin Art Director bei 99designs und ich bin hier, um den Vorhang zu lüften und dir zu zeigen, was ein Art Director macht, inwiefern er sich von anderen Funktionen unterscheidet und wie man selbst Art Director wird (wenn es das ist, was du möchtest).

art director
von OrangeCrush

Was macht ein Art Director?

Kurz gesagt, ein Art Director fungiert als Brücke zwischen dem Designer und, abhängig von der Situation, dem ausführendem Team und dem Kunden. Wir nehmen Unternehmensziele von Nicht-Designern und arbeiten mit Designern, um uns kreative Wege einfallen zu lassen, diese mithilfe von Kunst umzusetzen. Es ist eine Mischung aus der Bereitstellung von Projektmitteln, Terminverwaltung, Design Know-how, Personalmanagement und eine Verbindung zwischen Designern und Unternehmern, um Erwartungen zu managen und für Klarheit zu sorgen… Es ist eine vielfältige, schnelllebige und aufregende Rolle.

Sagen wir zum Beispiel mal, unser Marketingdirektor braucht ein Design für eine neue Initiative, welche das Unternehmen im nächsten Quartal startet. Als Art Director setze ich mich mit den Marketingleuten zusammen und verschaffe mir eine Vorstellung davon, wie sie sich das ganze denken. Dann erstelle ich einen Zeitplan, wie und wann was passieren muss, damit wir es rechtzeitig bis zur Deadline schaffen, hole die richtigen Designer und Produktionskünstler dazu und manage das Projekt von Anfang bis Ende. Zwischendurch biete ich eine Richtung und Unterstützung für die Designer, manage die Erwartungen des Marketingdirektors (wenn sie beispielsweise eine Überarbeitung wollen, die den geplanten Zeitrahmen oder Umfang sprengt, sag ich ihnen Bescheid) und sorge dafür, dass alles vor der Deadline im Zeitrahmen und bereit ist.

Wie unterscheidet sich ein Art Director von anderen Funktionen in der Kreativ-Welt?

Wie ich bereits sagte, gibt es viele ähnlich klingende Funktionen in der Kreativ-Welt und eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, ist, „Wie unterscheidet sich ein Art Director von anderen Rollen in einem Kreativ-Unternehmen?“ Schauen wir es uns also mal kurz an.

TV head logo
Design von Straw Effigy

Am häufigsten verwechseln die Leute „Art Director“ und „Creative Director“.  Und das ergibt auch total Sinn, denn die Unterschiede zwischen diesen beiden sind relativ fein.

Zunächst einmal: Ein Unternehmen hat nicht unbedingt immer einen Creative Director und einen Art Director. Dann liegen die Verantwortlichkeiten in der Regel bei einem der beiden (wenn also ein Unternehmen nur einen Creative Director hat, kümmert er sich um die Aufgaben, die normalerweise mit einem Art Director in Verbindung gebracht werden, und wenn ein Unternehmen nur einen Art Director hat, kümmert er sich auch um die Aufgaben eines Creative Directors). Wenn ein Unternehmen beides hat, steht ein Creative Director eine Stufe über dem Art Director; ein Creative Director managt den Art Director und seine Projekte zusätzlich zur Kreativen Ausrichtung anderer Unternehmensbereiche.

Eine weitere Frage lautet „Ist ein Art Director etwas anderes als ein Grafikdesigner?“ Und um es ganz direkt zu sagen, lautet die Antwort Ja – etwas ganz anderes.

Ein Art Director komm vielleicht aus dem Grafikdesignbereich, aber sobald er in Richtung Art Direction geht, nimmt die Menge der Designs, die er tatsächlich macht, in der Regel ab; stattdessen verbringt er mehr Zeit mit der Strategie, dem Projektmanagement und der Leitung von Designern. Grafikdesigner kümmern sich weniger um die leitenden Verantwortlichkeiten und verbringen stattdessen die meiste Zeit an der „Front“ und überlegen sich tatsächliche Designs, um das Konzept des Art Directors zum Leben zu erwecken.

Was braucht man, um Art Director zu werden?

Design Know-how

Pawcasso logo
Logo-Design von Mat W

Du musst nicht unbedingt aus dem Designbereich kommen, um ein erfolgreicher Art Director zu werden (viele Art Director waren vorher Texter). Aber du benötigst jede Menge Design Know-how, um in der Lage zu sein, Designteams, Prozesse und Projekte managen zu können. Sagen wir mal, du kannst beispielsweise keine Website designen, aber du weißt, wie eine Website designt wird und was möglich ist und was nicht, wodurch du angemessene Erwartungen beim Kunden wecken kannst und nichts versprichst, was du und deine Designer nicht einhalten können.

Es ist auch wichtig, ein übergreifendes Wissen zu den verschiedenen Bereichen des Designs zu haben; nicht jedes Projekt wird gleich sein, daher musst du genauso vertraut damit sein, ein Website-Projekt zu leiten wie ein komplettes Rebranding eines Unternehmens oder eine Anzeigenkampagne.

Zeitmanagement

Big Ticks logo
Logo-Design von Angela Cuellar

Im Kern ist Art Direction ein wirklich komplizierter Tanz mit dem Zeitmanagement. Du musst in der Lage sein, ein Projekt zu betrachten und herauszufinden, wie lange es dauern wird, zu welchem Punkt Berichte über den Fortschritt fällig sind, wie viele Überarbeitungen nötig sind, inwiefern der Ort, an dem sich die Leute befinden, Auswirkungen auf das Projekt haben wird (wenn du beispielsweise mit Designern in verschiedenen Zeitzonen arbeitest), wie jede Komponente des Projekts Auswirkungen auf den Rest des Zeitplans hat… Man muss sich um sehr viel kümmern. Wenn du ein Ausnahmetalent in Sachen Zeitmanagement bist – und noch wichtiger, Menschen auf Kurs halten kannst – wirst du als Art Director Erfolg haben.

Es ist unmöglich, für jedes Szenario, das während eines Projekts eintreten könnte, einen Plan zu haben (wäre das nicht toll?!), daher ist es wichtig für einen Art Director, einen Notfallplan zu haben, für den Fall, dass etwas schief läuft (was irgendwann unweigerlich passieren wird).

Budgetplanung

Eine weitere Aufgabe des Art Directors ist die Budgetplanung für ein Projekt. Daher musst du die Art Mensch sein, die Zeit und Ressourcen richtig planen kann, versteht, wo man Kosten sparen kann und wo man investieren muss. Und du musst dafür sorgen, dass sich dein Team im Laufe des Projekts an das Budget hält.

Personalmanagement

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Darstellung eines typischen Kreativ-Teams. Illustration von Warlourd arts

Als Art Director wirst du ein Team von Designern, Produktionskünstlern und kreativen Talenten haben, die unter dir arbeiten. Und wenn du ein erfolgreicher Art Director sein willst, musst du wissen, wie du diese Leute managst – und sie gut managst.

Tolle Art Director wissen, wie man ein Team motiviert, damit es seine beste Arbeit abliefert; sie verstehen, wo jedes Teammitglied bei einem Projekt am besten hinpasst, wie sie ihre Stärken ausspielen und wie man ihnen hilft, ein besserer Designer zu werden. Sie können konstruktives Feedback geben, ohne übertrieben streng zu sein, können sich an Deadlines halten, ohne ihr Team zu überfordern, und ein positives Erlebnis für jeden Beteiligten schaffen.

Sie wissen auch, wie sie die Designer dazu bekommen, sich mit ihren Projekten zu identifizieren. Die Art, wie sie das Projekt formulieren, kommuniziert nicht nur, wie wichtig das Projekt für das Unternehmen ist, sondern auch, wie wichtig der Designer für das Projekt ist, was ein gewisses Maß an Engagement beim Designteam erzeugt und das Projekt voranbringt.

Im Grunde sind sie großartige Manager und wenn du ein großartiger Art Director sein willst, sind erfolgreiche Management-Skills unabdingbar.

Finger am Puls, bei dem, was in der Designwelt los ist

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Illustration von Cope_HMC für zetpdep

Dies ist keine Fähigkeit per se, aber es ist hilfreich. Wenn du ein erfolgreicher Art Director sein willst, ist es wichtig, deinen Finger am Puls zu haben, was in der Designwelt so los ist. Die Dinge können sich schnell ändern und es gibt immer ein neues Designprogramm, einen neuen Trend oder eine Strategie und wenn du bei diesen Dingen nicht auf dem Laufenden bist, werden sich die von dir geleiteten Projekte altbacken und veraltet anfühlen.

Wie man diese Fähigkeiten entwickelt

Nun kennst du die nötigen Fähigkeiten, um ein Art Director zu werden. Aber wie genau entwickelst du diese?

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von maneka

Die Fähigkeiten, die du entwickeln musst, um als Art Director Erfolg zu haben, erhältst du durch Learning by doing. Beginne damit, dir potenzielle Projekte anzusehen, bei denen du Arbeiten an andere Designer abgeben kannst, und arbeite mit ihnen zusammen, um das Projekt zum Leben zu erwecken. Dies kann ein persönliches Projekt sein, oder (wenn du das Risiko eingehen willst) das Projekt eines Kunden. Der Schlüssel liegt darin, sich weniger um das Design zu kümmern und stattdessen andere Designer während des Designprozesses zu managen.

Wenn du die Möglichkeit nicht hast, Arbeiten an andere Designer zu übergeben, versuche, eine Design-Review-Gruppe zusammenzustellen. Bringe eine Gruppe von Designern zusammen, die alle unabhängig voneinander an Projekten arbeiten und zusammenkommen, um die Arbeit der jeweils anderen zu bewerten und Feedback zu geben. Du wirst lernen, wie man Feedback gibt und entgegennimmt – eine wichtige Fähigkeit als Art Director – und kannst ein bisschen herumprobieren, bevor du tatsächlich Arbeiten an andere Designer weitergibst.

Und schließlich, wenn du bereits als Designer arbeitest, bringe Strategie in Gespräche mit Kunden ein. Stelle ihnen Fragen, um genau zu verstehen, was sie erreichen wollen, und mache dementsprechend Vorschläge. Sie sind vielleicht zu dir gekommen, damit du eine Broschüre für eine Tagung designst, aber durch deine Designexpertise bist du vielleicht in der Lage, ihnen zu sagen, dass eine Postkarte oder Landingpage besser zu ihren Bedürfnissen passt.

Der typische Karriereweg eines Art Directors

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Jeder Weg eines Art Directors ist ein bisschen anders. Illustration von BATHI

Okay, wir haben nun darüber geredet, was ein Art Director macht, inwiefern er sich von anderen Rollen unterscheidet und welche Fähigkeiten du brauchst, um Art Director zu werden. Lass uns nun darüber reden, wie dies in Aktion aussieht.

Es gibt nicht den einen Karriereweg für einen Art Director. Manche beginnen als Grafikdesigner und arbeiten sich langsam hoch und übernehmen mehr Verantwortlichkeiten, bis sie die Stufe des Art Directors erreicht haben.

Andere beginnen als Texter, die eng mit dem Designteam zusammenarbeiten und langsam zu der Erkenntnis kommen, dass sie Management mehr mögen als Texte zu schreiben. Und wieder andere beginnen bei einem kleinen Unternehmen, wo sie viel Verantwortung haben, und stolpern ganz nebenbei in die Rolle des Art Directors.

Mein Karriereweg zum Art Director hat mich in viele verschiedene Richtungen geführt. Nachdem ich am Anfang meiner Karriere viele Sachen als Freelancer gemacht habe, trat ich meine erste Vollzeitstelle bei einem Studio für Webdesign und Motion Graphics an. Mit den Jahren habe ich meine Fähigkeiten erweitert und in den Bereichen Grafikdesign, Druck, Branding, Videografie und Fotografie bei verschiedenen Werbe-, Gaming- und Tech-Unternehmen gearbeitet. Mit der Zeit begann ich, zusätzliche Designer und Texter zu managen und anzuleiten, und bemerkte, dass ich wirklich Spaß daran hatte. Und voilà – ein Art Director war geboren!

Der Punkt ist, es spielt keine Rolle, welchen Weg du gehst, um Art Director zu werden. Wenn du die Fähigkeiten, das Designwissen und die Erfahrung hast, kannst du Karriere als Art Director machen.

Und was die Möglichkeiten angeht? Als Art Director hast du sie. Als Art Director kannst du in einem Unternehmen arbeiten, als Freelancer oder Berater oder du kannst für eine Agentur arbeiten, wo du die Möglichkeit hast, mit verschiedenen Kunden zu arbeiten. Und was die Branchen angeht, gibt es keine Grenzen; von Designstudios über Unternehmen bis hin zu Werbeagenturen und B2B/B2C-Unternehmen brauchen alle einen Art Director.

Lenke dich in eine Karriere als Art Director

Hoffentlich hat dieser Artikel dir einen kleinen Einblick geben können, was ein Art Director macht und was du brauchst, um diesen Weg zu gehen. Und während der Beruf des Art Directors die perfekte Karriere für mich ist (ernsthaft, ich liebe es), will ich noch sagen, dass es nicht für jeden etwas ist.

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Bist du bereit, in eine neue Rolle hineinzuwachsen? Design von Konstantin Kostenko

Viele Grafikdesigner denken, dass sie Richtung Art Director gehen müssen, um in ihrer Karriere voranzukommen. Und das stimmt. Es kann ein großer Schritt in deiner Karriere sein. Aber du solltest keine bestimmte Leiter hochklettern, nur weil dir jemand gesagt hat, dies wäre der nächste Schritt! Bevor du dich entscheidest, eine Karriere Richtung Art Director einzuschlagen, musst du sicherstellen, dass es auch das Richtige für dich ist. Wie ich bereits sagte, man macht weniger Designarbeiten als Art Director. Wenn du also den Designprozess liebst und dir gern rund um die Uhr in Photoshop die Hände schmutzig machst, ist dies wahrscheinlich nicht die richtige Karriere für dich.

Aber auf der anderen Seite, wenn du die strategische Seite der kreativen Arbeit liebst und gern alle beweglichen Teile managst, die bei kreativen Projekten anstehen, ist der Beruf des Art Directors wie für dich geschaffen und du hast einen langen, erfüllenden Weg vor dir.

Worauf wartest du noch?
Melde dich noch heut an und mache deinen ersten Schritt in Richtung Art Director.