Es gibt ein sehr einfaches und übergreifendes Prinzip, das die Navigationsfreundlichkeit von Websites beherrscht: Gebt den Besuchern Gründe, auf eurer Seite zu bleiben, und, egal was passiert, gebt ihnen keinen Grund, eure Seite wieder zu verlassen. Nichts vergrault User schneller als eine schlechte Navigation. Bei der Gestaltung der Benutzerfreundlichkeit solltet ihr deswegen stets den typischen Erstbesucher eurer Seite im Auge haben und überlegen, wie ihr seine erste Reise auf eurer Seite gestalten wollt. Werfen wir dazu einen Blick auf drei aktuelle Webdesign-Trends für Seitennavigation und deren Aufbau.  Erfolg und Misserfolg liegen hier sehr nahe beieinander.

Infinite Scrolling (unendliches Scrollen)

Das Infinite Scrolling (Seiten-Content, der sich automatisch nachlädt, wenn der User das Ende einer Seite erreicht hat) ist ein super Weg, um das Interesse des Betrachters aufrechtzuerhalten, Sprünge auf den Seiten zu vermeiden und eine nahtlose Reise des Users zu garantieren. Da es ideal für kleine Bildschirmgrößen und deshalb perfekt für Mobile-User ist, erscheint das Infinite Scrolling wie ein absoluter Gewinner in der Mobile-Welt, in der fast 40 % der User vorrangig über Smartphones oder Tablets auf das Internet zugreifen.

Website Navigation

Allerdings gilt dies nur so lang, wie keine statischen und entscheidenden Objekte am Ende einer Webpage auftauchen. Was aber, wenn nun zum Beispiel die Buttons „Über uns“ oder „Kontakt“ am Ende der Seite auftauchen? Und wenn die Seite jedes Mal nachlädt, bevor der User wirklich eine Chance hat, darauf zu klicken? Das ist oft ein fataler Fehler, der einen erstmaligen Besucher mit großer Wahrscheinlichkeit vergrault, und das vielleicht für immer. Mit etwas Weitblick lässt sich dies allerdings leicht umgehen. Wenn ihr also eine Seite für Inhalte gestaltet, für den sich ein Infinite Scrolling anbietet, versichert euch, dass sich die statischen Elemente oben oder in einer Sidebar befinden, sodass sie für User während ihres Besuchs auf der Seite die ganze Zeit über zugänglich bleiben.

Navigationsleiste versus Menü

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Seit dem Beginn der Windows-Technologie gegen Ende der 80er Jahre gilt die Navigationsleiste als Standardwerkzeug. Sie ist sauber, leicht zu handhaben und sorgt dafür, dass alle wesentlichen Elemente, die für eine flüssige Seitennavigation erforderlich sind, stets griffbereit, sichtbar und dabei dennoch nicht im Wege sind. Allerdings werden die alten Navigationsleisten zunehmend durch Dropdown-Menüs ersetzt, was nicht immer zu glänzenden Ergebnissen führt.

Ein nicht zu erkennender, schwierig auszumachender Dropdown-Menü-Tab kann schnell Frust auslösen – ebenso wie ein Menü, das man herunterzieht und das einfach nicht unten bleiben will. Um ein Beispiel zu nennen: Die Photo-Sharing-Seite Flickr änderte kürzlich ihr Format (mal wieder) und führte Dropdown-Menüs ein, die Usern die Möglichkeit geben sollten, Suchergebnisse zu bewerten. Leider schließt sich das Menü oftmals sofort wieder noch während der User versucht, seine Wahl zu treffen. Das Ergebnis? Der User klickt stattdessen auf das Bild hinter dem Menü. Ärgerlich! Wenn ihr also ein Menü designt, dann gestaltet die Tabs klar und versichert euch, dass alle Dropdown-Elemente so arbeiten, wie sie es sollen.

Die kleinen Icons

Website icons

Oft greifen wir in der Gestaltung auf Icons zurück, die uns von einem Bereich einer Seite zu einem anderen führen. Warum auch in Worte fassen, was man ganz einfach zeigen kann? Zum größten Teil sind diese Icons auch klar und eindeutig. Ein nicht klar zu identifizierendes Icon kann eine angenehme Usererfahrung schnell in ein frustrierendes Durcheinander verwandeln. So steigt beim User Unmut auf. Ein nach links gerichteter Pfeil kann, abhängig vom jeweiligen Kontext, sowohl „Antworten“ oder „Zurück zur vorherigen Seite“ bedeuten. In den meisten Fällen ist der Kontext klar. Manchmal aber eben nicht. Ein Icon, das ein „offenes Buch“ zeigt, kann sowohl „Archiv besuchen“ bedeuten als auch anstelle eines Vergrößerungsglases für „Seite durchsuchen“ stehen.

Und da gibt es weitaus mehr uneindeutige Beispiele! Der Versuch zu ermitteln, ob Diamanten oder Keulen einen „Kontakt“-Button symbolisieren sollen, kann einen Erstbesucher schnell in einen einmaligen Besucher verwandeln. Selbst, wenn es natürlich immer eine Versuchung ist zu zeigen, wie intelligent und modern ein Design ist, vergesst nicht: Einfache Navigation ist effektive Navigation. Selbst wenn ihr eine Seite gestaltet, die nur die versiertesten User ansprechen soll, haltet sie simpel.

Mit ein wenig Vorsicht und Weitsicht sowie Verständnis für eure Erstbesucher erstellt ihr eine Seite, die die User auf lange Zeit bindet und zurückholt.