Anders als das Logo der Olympischen Spiele in Japan hat das EM-Logo 2016 für keinen (weiteren) Skandal in den Reihen der Fußballligen gesorgt.

Unter dem EM-Logo 2016 also rollt heute der Ball endlich wieder über die Fußballfelder Frankreichs und die zahlreichen Public Viewing Leinwände. Zum bereits 15. Mal trifft sich die Fußballelite Europas, um den Kampf um die europäische Fußballkrone auszufechten. Begleitet wird das Turnier von einem Aufgebot an Werbung, Branding und Events. Die Marketingmaßnahmen ziehen dabei immer weitere Kreise. Kaum eine Branche lässt sich diese Veranstaltung entgehen, um Sonderprodukte zu vermarkten.

Das Fußball-Event des Jahres putzt sich dabei alle vier Jahre erneut heraus mit einem aktuellen EM-Logo Design. Dieses orientiert sich dabei zumeist am Austragungsort des Turniers und ist im Laufe der Jahre immer raffinierter geworden. Ja, auch am Fußball kommt die Wichtigkeit von Design und Ästhetik nicht vorbei. Wir haben uns die Evolution des EM-Logos angeschaut und die Designs genauer unter die Lupe genommen.

1968 – 1992

Die ersten Jahre der Fußball-Europameisterschaft, die 1966 von der UEFA erstmals offiziell als diese benannt wurde, lassen sich aufgrund ihrer gestalterischen Ähnlichkeit in Bezug auf ihr Logo in eine Gruppe fassen.

EM-Logo 1968
EM-Logo 1972
EM-Logo Design 1976
EM-Logo Design 1980
EM-Logo 1984
Fußball-EM-Logo 1988
Fußball-EM-Logo 1992

Die Logos setzen sich zusammen aus der jeweiligen Landesflagge des Austragungsortes sowie der Jahreszahl ihrer Erscheinung. Der Fußballverband UEFA als Veranstalter des Turniers stimmt in fetter Schrift in das dynamische Flattern der Fahne ein. Die Zahlen in mathematisch schnörkelloser Outline verleihen den Logos einen echten Oldschool-Retro-Look. Sicher gewinnen diese Event-Botschafter keinen Designpreis, sie gehören durch ihren authentischen, Sport-der-70er-80er-90er-Jahre-Stil jedoch zu beliebten Prints auf T-Shirts und anderen Vintage-Klamotten. Wie beinahe jedes Sport-Logo sind sie unmittelbar mit den Emotionen und Ereignissen der Veranstaltungen von früher damals verbunden und tragen diese bis heute in die Welt.

1996 in England

Deutlich abwechslungsreicher und beschwingter geht es 1996 an den Start. Der Fußball kehrt ins Mutterland zurück und bringt ein freudig buntes Logo mit, das den farblichen Vorlieben der Queen ganz sicher entsprochen hat. Fast kindlich verspielt bewegt sich der farbbekleckste Ball nach rechts oben und symbolisiert damit eine aufwärtsstrebende Dynamik, den sportlichen Weg durch das Turnier hin zu einem großen Finale und Klimax. Mit viel Fantasie lassen die Nähte des Balls einen Spieler erkennen, der orange Klecks könnte seinen am Fuß geführter Ball darstellen. Drei unterschiedliche Typografien positionieren sich mehr oder weniger gut unterhalb des Balles. Ein Unterstrich, der einem Pinselstrich sehr nahe kommt, bringt abermals Bewegung ins Spiel. Individuell auf das eine Event angepasst strahlt das Logo Frische und Einzigartigkeit aus.

1996

Deutschland räumt den Pokal ab und nimmt ihn mit nach Hause!

2000 in Belgien und den Niederlanden

Auch hier bestimmen die Landesfarben der Austragungsorte das farbliche Thema. Die Typografie ist deutlich filigraner und weniger verspielt. Sie ist auf nur noch zwei Fonts reduziert und wirkt dadurch deutlich aufgeräumter. Fast wie ein Drachen im Wind setzt das Männchen in Landesfarben zum Schuss an. Der kleine Fußball ist genau mittig platziert und sorgt für Balance im Logo. Der Kreis in bläulichem Farbverlauf vereint die einzelnen Elemente miteinander. Dennoch erscheint das Logo Design nicht als funktionale Einheit, sondern vielmehr als eine Aneinanderreihung symbolträchtiger Designelemente. Es ist wohl das schlechteste EM-Logo, um das schon einmal vorweg zu nehmen.

2000

Frankreich lässt sich nicht aus der Balance bringen und geht als Europameister aus dem Turnier.

2004 in Portugal

Es wird sonnig! 2004 verschlägt es uns ins schöne Portugal! Sonne, Meer und eine große Leidenschaft für Fußball – das transportiert das Logo unmissverständlich! Während Blau die vorherigen Logos dominierte, fehlt es hier komplett. Stattdessen erstrahlen Orange, Gelb und Grün und verleihen dem Logo Wärme und ein Hauch von Gastfreundlichkeit. Der entfremdete Ball prangt im Zentrum des geschwungenen Herzens und ist an Symbolik nicht misszuverstehen. Einen Spieler hingegen sucht man in dem Logo vergebens. Die Bedeutung der sieben grünen Punkte erschließt sich jedoch nicht. Ein Bezug zur Natur? Fußbälle? Kunst?

2004

Griechenland spielt sich in die Herzen(-logos) der Zuschauer und wird zum Überraschungssieger.

2008 in Österreich und der Schweiz

Wir erklimmen die Berge von Österreich und Schweiz – und genau das zeigt das Logo auf den ersten Blick! Rot und Weiß einen beide Landesflaggen und stellen somit die geeigneten Farben für das Logo dar. Das Spiel wird feurig – eine weitere zulässige Assoziation beim Anblick des dominanten roten Kamms. Der von diesem schwungvoll umgebene grüne Ball spielt mit den Bildern unberührter Natur und Wanderungen, die wir mit den Alpenländern verbinden. Der Sport positioniert sich somit erstmals nah der Natur. Die verschiedenen sachlich anmutenden Schriften (ja, der so adrette Minimalismus der Schweiz) unterscheiden sich zudem durch Farben voneinander. Diese geben ihnen eine zusätzliche Gewichtung.

EM-Logo 2008

Der Fußballnation Spanien bekommt das bergige Klima bestens. Spanien wird Europameister 2008.

2012 in Polen und der Ukraine

Deutlich femininer und noch naturverbundener zeigt sich das Logo vier Jahre später. Eine stilisierte Blume mit abstraktem Fußball und den Nationalfarben Polens und der Ukraine als Blüten bilden das Zentrum des EM-Logos. Eine Figur, die ihre Arme freudig zur Siegerpose in die Höhe reißt, eint alle Blütenkelche. Dieses Logo bringt Sport und Natur zusammen. Es wirkt rundlicher und organischer als seine Vorgänger, aber nimmt man dem knallharten Profisport die plötzliche Ausrichtung zur Naturverbundenheit wirklich ab? Eher nicht. Die Blumen aber etablieren eine Art Folklore, wie wir sie mit den osteuropäischen Staaten assoziieren.

Logo Design 2012

Spanien bleibt Europameister.

2016 in Frankreich

Fußball trifft Kunst! Zum ersten Mal in der Geschichte wird der Pokal Teil des EM-Logos. Dies kennen wir bisher vor allem von der Weltmeisterschaft. Die Farbkombination Blau-Rot-Weiß repräsentiert Frankreich, das Land der diesjährigen Austragung. Das aktuelle EM-Logo unterscheidet sich in seiner Erscheinung deutlich von denen seiner Vorgänger. Viel durchdesignter und abgeklärter kommt es daher. Kein Ball, kein Spieler, keine traditionellen Landessymbole. Vielmehr setzt man in diesem Jahr auf Formen und Abstraktion. Kreise, Sterne und Bögen erinnern an das breite Lachen eines Smileys. Aber auch nach längerer Betrachtung wird nicht klar, wie die einzelnen Bildelemente thematisch zueinander stehen. Das Logo eröffnet einen weiten Interpretationsspielraum, dem die Begriffe Kunst, Art déco und Kreativität übergeordnet scheinen.

Aktuelles EM-Logo 2016
Wer in diesem Jahr als Fußball-Europameister das Spielfeld verlassen wird, ist noch fraglich. Das EM-Logo 2016 aber hat mit seiner erstmals künstlerischen Facette bereits für eine außergewöhnliche Überraschung gesorgt.