Ich weiß absolut nichts über Popmusik. Ich habe kein Album gehört, das nach 1978 erschienen ist, ungeachtet der Tatsache, dass ich 1981 geboren wurde.1 Ich musste sogar den Unterschied zwischen “Album of the Year” und “Record of the Year” googeln.2

Glaubt mir also, wenn ich sage, dass es nur wenig Leute gibt, die besser dafür qualifiziert sind, ein Album ausschließlich nach seinem Cover zu beurteilen. Die Grammy-Nominierten dieses Jahr waren Sound & Color von Alabama Shakes, To Pimp a Butterfly von Kendrick Lamar, Traveller von Chris Tapleton, 1989 von Taylor Swift und Beauty Behind the Madness von The Weeknd. Ich bin mir sicher, dies sind alles wunderbare, würdige Alben. 

Beauty Behind the Madness – The Weeknd

The weeknd album cover
via Republic Records

Beginnen wie unter der Prämisse, dass die meisten Leute dieses Bild als Vorschaubild auf ihrem iPod sehen werden. In seiner kleinen Form scheint es, als wäre Herr Weeknd in einer dieser Foltervorrichtungen aus den Saw-Filmen gefangen. Wird diesem Typen etwas Fürchterliches widerfahren, wenn ich mir das Album nicht rechtzeitig anhöre?

Vergrößere das Bild und du siehst, dass es nur eine zerrissene Fotografie ist. Puh. Aber egal, wie sehr man das Bild zoomt und vergrößert, du wirst weder den Albumtitel noch den Namen des Künstlers finden. 

Aber trauen wir dem Hörer mal etwas zu und gehen davon aus, dass er die Titelliste gesehen hat, bevor er sich das Cover anschaut. Ich weiß immer noch nicht, was er diesem Bild entnehmen soll. Ist er die Schönheit? Der Wahnsinn? Vielleicht ist er hinter irgendetwas gefangen?

To Pimp a Butterfly – Kendrick Lamar

To pimp a butterfly album cover
via Interscope Records

Wieder ein Cover ohne Text. Sofern dieses Album ein instrumentales ist (unwahrscheinlich, angesichts des Warnhinweises), bin ich mit diesem Trend nicht einverstanden.

Aber wenigstens sagt dieses Bild etwas aus. Man sieht eine Gruppe Afroamerikaner, die vor dem Weißen Haus posieren und mit Geld in die Kamera winken. Es ist gleichzeitig verspielt und zerreißend. Es gibt keinen einheitlichen Ton zwischen den Personen – manche sind wütend, manche lachen, manche sind gelangweilt oder verwirrt. Ich erwarte eine ganze Reihe an Emotionen zu durchleben, während ich dieses Album höre.

Eine genaue Untersuchung bringt auch unerwartete Überraschungen. Da ist ein Mann mit einem Auktionshammer (nicht traditionell zusammenhängend mit der Exekutive der Regierung), mit seinen Augen ausgekreuzt; die erhobene Faust eines Kindes scheint verpixelt zu sein (Zensur des Black Power Grußes?); ein anderer Typ isst sein Geld.

Ich habe keine Ahnung, was irgendetwas davon bedeutet, aber nennt mich angefixt. Wenn ich doch nur den Titel dieses verdammten Albums wüsste.

Sound & Color – Alabama Shakes

Sound & color album cover
via ATO Records

Das andere Extrem ist dieses Album, das nur aus Text besteht und kein Bild hat. Es heißt Sound and Color, aber sieht aus wie ein Stummfilm und ist schwarz-weiß. Ich sehe, was ihr da gemacht habt, Alabama Shakes! Das schien mit Sicherheit clever, als die Band kiffend im Studio saß.

„Alter! Was wenn wir es Sound and Color nennen, aber, also, es hat gar keine Farbe!”

„Und das Album ist komplett stumm!”

„Zu viel, Alter.“

Ich sollte vielleicht meine Haltung überdenken, wenn es darum geht, den Bandnamen und Albumtitel auf dem Cover zu platzieren, wenn der Bandname ein Verb enthält. Wie genau schüttelt Alabama Sound und Farbe? Ernsthaft Leute: Lest das Cover wenigstens ein Mal laut vor, bevor ihr es an den Drucker schickt.

Traveler – Chris Stapleton

chris stapleton traveller album cover
via Mercury Nashville

Das ist möglicherweise das allgemeinste Country Albumcover, das ich je gesehen habe. Cowboyhut, weites Land, kariertes Hemd. Ich wette, das in dem Sattelzug im Hintergrund ist seine Frau, die ihn gerade verlässt. Sofern dieser Typ kein Rapper oder klassischer Geiger ist, weiß ich nicht mal, was ich dazu sagen soll.

1989 – Taylor Swift

Taylor Swift 1989 cover design
via Big Machine

Hat jemand Taylor Swift entführt? Alles, was dieses Foto braucht, ist eine tagesaktuelle Zeitung und eine Lösegeldforderung.

Mal abgesehen von der komischen Geisel-Atmosphäre, trifft dieses Cover vermutlich die beste Balance der Nominierten zwischen konzeptionellem Bild und ähm, naja, der eigentlichen Story, was dieses Album ist. Es zieht den Retro-Look voll durch3,nicht nur durch die Wahl eines Polaroid-Bildes, sondern auch in Kostüm und Make-up. Der schludrig in Handschrift geschriebene Titel bietet einen Hauch Authentizität: Ich könnte in der Tat glauben, Taylor Swift(s Assistentin) hat das persönlich geschrieben.

Man kann ein Album nicht wirklich nach seinem Cover beurteilen, aber T.S. tut ihr Bestes, mich davon zu überzeugen, ihr wenigstens eine Chance zu geben.

Und der Grammy für das beste Album (Cover) geht an…

1989 von Taylor Swift. Es ist nicht ganz so verwirrend einzigartig wie To Pimp a Butterfly, aber auch nicht so aggressiv undeutlich. Und sicher, vielleicht sieht es aus wie eine übrig gebliebene Requisite aus Memento, aber wenigstens erreicht es, auf dem grundlegendsten Level, was ein Albumcover tun soll, z. B. das Album verkaufen.


1. Es war “Some Girls,” falls ihr euch fragt. ↩

2. ”Album” bezieht sich auf das gesamte Album (natürlich), wohingegen “Record” ein bestimmter Song ist.↩

3. Oh Gott, bedeutet 1989 jetzt schon „retro“?↩